Mit einer etwas geschrumpften Stammmannschaft (Lars, Simon, Thomas G. und ich) und zwei weiteren Austauschstudenten (Julien aus Frankreich und Joris aus den Niederlanden) fahren wir am Freitag Abend los. Wir erreichen den Park um 23:00 Uhr und müssen feststellen, dass der Campingplatz, den wir als erste Station auserkoren haben, geschlossen ist. Auch die folgenden drei Plätze sind geschlossen oder ausgebucht und erst der Two River Campground am anderen Ende des Parks nimmt uns noch so spät in der Nacht auf. Im Scheinwerferlicht bauen wir unsere Zelte auf und legen uns schlafen, der nächste Tag so früh beginnen.
Um 8:00 Uhr stehen wir auf und nach einer warmen Dusche gibt's Müsli mit frischem Obst zum Frühstück. Nachdem die Zelte abgebrochen sind, fahren wir mit dem Wagen zurück zum Canoe Lake, wo wir vom Portage Store 3 Kanus mieten. Wir werden außerdem mit einer Mülltüte ausgestattet und müssen uns auf einer der hunderten designated camp areas festlegen. Diese bestehen aus einem oder zwei mehr oder weniger ebenen Flächen, auf denen man sein Zelt ausstellen kann, einer Feuerstelle und - etwas abseits - einer Komposttoilette. Meist sind nur bis zu sieben Personen auf einer solchen Fläche zugelassen.
Nachdem alle Formalitäten, wie Anmeldung und Registration, erledigt sind, der Wagen geparkt und mit der Buchungsbestätigung versehen ist lassen wir die Boote zu Wasser. Lebensmittel und Gepäck sind rasch verstaut, es geht los auf Tour...
Bei wunderschönem, warmem Wetter paddeln wir gen Norden. Der See ist nicht besonders groß und so müssen wir uns bald entscheiden, zu welchem See wir übersetzen wollen.
Wir entscheiden uns für den Joe Lake und nach einer kurzen Landstrecke können wir dort unsere Kanu wieder in Wasser setzen. Wir paddeln weiter, die anfangs recht häufig anzutreffenden Cottages (Wochenendhäuschen) werden immer seltener. Dafür sieht man am Ufer meist dichten Waldbewuchs, nur manchmal unterbrochen für einen campground. Wir haben es nicht eilig und unser gemieteter Übernachtungsplatz ist nicht allzu weit entfernt. Deshalb lassen wir uns hier und da mal eine Viertelstunde treiben und faulenzen in der Sonne.
Der See verengt sich an manchen Stellen so dass man glaubt, sich auf einem Fluss zu befinden. Hier bekommt man bekommt einen Eindruck von der Unberührtheit dieses Parks, in dieser frühen Septemberwoche nur von wenigen Naturhungrigen besiedelt.
Am Nachmittag erreichen wir unseren Schlafplatz, herrlich auf einer Landspitze gelegen, mit Blick über den See.
Nachdem die Zelte errichtet und die Lebensmittel bärensicher auf dem nächsten Baum verwahrt sind, besteigen wir wieder unsere Kanu und paddeln - jetzt ohne Gepäck - weiter, um an einer kleinen Insel eine Badepause einzulegen. Das Wasser ist nicht besonders warm, aber das anschließende Sonnenbad vermag dies durchaus auszugleichen.
Von Baden und vom Wettrennen zum campground zurück sind wir ausgehungert und so gibt es Nudeln mit roter Soße.
Während wir Essen kündigt sich eine andere Gruppe von Kanufahrern schon von weitem durch laute Rufe an. Beim Näher kommen stellt sich heraus, es sind Austauschstudentinnen vom Baden-Württemberg-Programm. Sabine aus Waterloo hatten wir schon auf dem Empfang der Austausch-Ingenieure kennen gelernt, die anderen kommen aus Sudbury (Veronika) und London (Ontario). Wir verabreden uns für ein gemeinsames Lagerfeuer später am Abend.
Tja, Lagerfeuer ist einfach gesagt, aber nicht alle (aber doch einige) Parks bieten Feuerholz selbst auf diesen einsam gelegenen Campingplätzen an, nicht jedoch der Algonquinpark. Also heißt es, selbst Feuerholz zu sammeln, was sich als gar nicht so leicht herausstellt. Abseits der Campingplätze existieren keine Pfade und das Ufer ist entweder steiler Fels oder sumpfiger Pflanzenbewuchs. Aber Julien und ich finden eine gute Stelle und sogar einen toten Baum, der hervorragendes Brennholz spendiert. Die Stechmücken scheinen aber schon auf uns gewartet zu haben und nach wenigen Minuten sind wir mit Stichen übersät.
Im allgemeinen hat man ab Ende August nur noch wenig von den Moskitos, Stechmücken oder Black Flies (kleine, Blut saugende Fliegen, der Algonquinpark beherbergt einige ihm eigene Arten) zu befürchten, aber bei so schönem Wetter (und wenn man das Essen direkt vor die Nase bekommt) leben eben doch noch einige. Aber auch andere Insekten kreuzen unseren Weg.
Nach dem Essen brechen wir erneut mit den Kanus, einfach ein wenig vor uns hindümpeln. Wir entdecken einen Bieberdamm, aber auch nachdem wir bestimmt 15 Minuten äußerst still ausharren können wir keinen Bieber ausmachen. Als wir wieder zurückkehren empfängt uns ein Abendhimmel, der einem wieder einmal die Sprache verschlägt. Immer noch ein wenig hungrig kochen wir eine zweite Portion Nudeln, diesmal ausreichend viele.
Als es dunkel wird entfachen wir das Lagerfeuer und wenig später trifft auch unser Besuch ein. Wir quatschen über die übliche Dinge wie Austauschprogramm, wer wo studiert und woher wer kommt, bis plötzlich ein lauter Knacks die Gespräche unterbricht. Ein Kanu, auf dem wir gesessen haben ist unter unserem Gewicht eingeknickt und trotzdem es wieder in seine ursprüngliche Form zurückspringt, bleiben zwei übel aussehende Risse. Wie auch immer, uns bleibt nichts zu tun, außer zu hoffen, dass die Löcher über der Wasserlinie liegen. Das Lagerfeuer brennt diese Nacht noch ziemlich lange, ein wunderschöner Tag geht zu Ende.
Der nächste Morgen beginnt mit einem ausführlichen Frühstück in der Morgensonne. Die Mädels haben es ziemlich eilig und stoppen nur kurz, um uns etwas Gepäck aus unserem defekten Boot abzunehmen (Danke noch mal!). Doch ein Test zeigt, dass das Kanu glücklicherweise dichthält und wir machen uns auf den Rückweg.
Am Nachmittag kommen wir
zum Portage Store zurück, der Gegenwind konnte uns nicht stoppen
und auch nicht die Wellen, die er aufwühlte. Nach der Rückgabe
der Kanus (die zwei Löcher kosten uns $60) beladen wir den Wagen
und machen uns auf den Weg zurück nach Waterloo.