Es ist geplant, unsere Tour sehr früh zu starten; ich soll Patrick um 5:15 Uhr abholen und danach Sylvia, Randy und Pete (aus den Niederlanden) auflesen. Aber die Nacht ist mal wieder extrem kurz, ein Versuchs-Protokoll muss noch für Montag fertig gestellt werden, und so komme ich erst um 3:30 Uhr ins Bett. Irgendwie habe ich es mal wieder nicht mit dem Wecker auf die Reihe bekommen (Alarmzeit einstellen, Lautstärke aufdrehen UND Alarm einschalten) und so tanze ich eine Stunde zu spät an. Dennoch, der Verkehr ist nicht sehr dicht, unsere kleiner Baron läuft gut und so wir erreichen das Westgate des Algonquin Parks am mittelspäten ;-) Morgen. Wir buchen unseren Lagerplatz am Ramona Lake. Wir haben vor, eine Hikingtour durch die Seenlandschaft des Parks zu machen und haben uns dafür mal wieder das richtige Wetter ausgesucht. Wir parken den Wagen drei Kilometer weiter auf dem Parkway Access (Highway 60) am Oxtongue River und machen uns startklar.
Von hier aus führt uns der Trail zunächst über eine Brücke über den Oxtongue River. Ein Schild warnt uns, dass im April und May dieser Bereich überflutet sein könnte, was ein jähes Ende einer Tour bedeuten könnte (oder man krempelt die Hosenbeine hoch und los geht's ;-)). Wie auch immer nach wenigen hundert Metern erreichen wir eine Weggabelung. Hier beginnt unser Rundweg, der uns im Uhrzeigersinn in einer großen Schleife um Minnow, Eu und Guskewau Lake führen wird. Der Trail ist anfangs noch wie ein Sonntagsspaziergangs-Wanderweg ausgebaut, verschmälert sich aber schnell zu einem unscheinbaren Pfad. Kleinere Bäche wie der Leaf Creek sind zu überqueren.
Der Indian Summer hat sich mittlerweile verabschiedet, beinahe alle Blätter sind bereits von den Bäumen gefallen und bilden jetzt eine braune, raschelnde Schicht, die alles auf dem Boden - eingeschlossen Felsbrocken und Schlammlöcher - einhüllt. Der Wald wirkt jetzt kahl, aber dafür dringt die Sonne umso intensiver zu uns durch. Es tut gut, ein wenig Sonne zu spüren, wenn man die ganze Woche über den Büchern gesessen hat ;-).
So sehr die Sonne uns aufzuwärmen vermag, für die Schlange, die auf dem Trail liegt, reicht sie offensichtlich nicht aus. Das wechselwarme Tier ist recht steif und macht kaum Anstalten zu flüchten. Eine Gelegenheit, die wir uns nicht entgehen lassen. Die Haut der Schlange fühlt sich glatt und geschmeidig an, aber der Schlange gefällt unsere Tratscherei nicht und trollt sich ihres Weges.
Wir passieren Maple Leaf Lake und South Leach Lake und wandern entlang des Hardy Creeks bis zum Little Hardy Lake, wo wir unsere Frühstückspause einlegen. Ein Festmahl mit Sandwichs, Fleischbällchen mit Senf und einer anschließenden Portion Oatmeal als Dessert lässt uns das frühe Aufstehen vergessen. Wir bleiben noch einige Zeit in der Sonne sitzen und genießen die Aussicht auf den See.
Wir machen uns wieder auf den Weg - für heute ist eine Strecke von knapp 25 km geplant - und keiner will bis in die Nacht hinein unterwegs sein. Wir umrunden Maggy Lake auf seiner Ostseite, wundervolle Campsites säumen das Ufer.
Der weitere Weg führt uns über kleine Hügel und auenartige Lichtungen.
Dabei sind immer wieder kleiner Bäche zu überqueren, manchmal auf recht morsch wirkenden Holzbohlen.
Nach 15 Kilometern erreichen wir die nächste Weggabelung. An dieser Stelle kann man sich für die kleine (32 km), große (55 km) oder ganz große Runde (88 km) entscheiden, wir nehmen den Abzweig, der uns auf die kleine Route ostwärts leitet. Auch hier sind wieder große Schlammlöcher ein Hindernis, aber meist gelangen wir trockenen Fußes hinüber.
Es sind noch 8 Kilometer, die wir vor der Dunkelheit meistern wollen und auf dem weiteren Weg liegen keine Seen mehr, deshalb schreiten wir jetzt etwas schneller voran. Die Gespräche werden rarer, jeder konzentriert sich auf seine Schritte. 25 Kilometer sind machbar, aber man muss eben laufen, um anzukommen. Als wir nur noch zwei Kilometer vor uns haben können wir einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten, der uns ermahnt, weiterzulaufen, denn die einsetzende Dämmerung nimmt uns das Licht, das trotz der entlaubten Bäume rar geworden ist.
Schließlich ist von Sonnenlicht nur noch ein himbeerroter Klecks am Himmel zu erkennen, aber wir haben es fast geschafft. Die Weggabelung, die zur Ostseite der größeren Schleifen führt, zeigt uns, dass wir nur noch wenige Meter zu laufen haben.
Als wir am Lagerplatz ankommen, ist es schon ziemlich duster, gerade noch hell genug, um ein wenig Feuerholz zu sammeln und die Zelte aufzustellen. Aber als das Feuer dann erstmal brennt kommt wieder Stimmung in der Gruppe auf. Die letzten Kilometer waren dort recht anstrengend, aber mit einer heißen Schokolade am Lagerfeuer ist das schnell vergessen. Mit der Dunkelheit kommt zu dieser Jahreszeit aber auch die fröstelnde Kälte, die alles zu durchdringen vermag. Das Wasser für die Nudeln braucht ewig, um endlich zu Kochen und man möchte gerne auf die 3 Minuten Kochen des Wassers verzichten, die die Bakterien darin abtöten sollen, aber man ist vorsichtig: keiner möchte riskieren, ein Wochenende mit Bieber-Fieber im Bett zu liegen. Der Abend gestaltet sich hauptsächlich um das Feuer herum, allerdings nicht allzu lange, wir wollen am nächsten Morgen wieder früh aus den Federn, um noch einige Kilometer gen Norden zu wandern bevor wir die Schleifen gen Süden weitermarschieren. Die Nacht ist frostig, aber im Zelt kann man es gut aushalten und so schlafe ich die Nacht durch, hole auf, was mir in den letzten Tagen an Schlaf abgegangen ist.
Wir wachen nicht ganz so früh auf, aber dafür sind wir alle recht gut erholt. Wir beschließen den Tag ruhig angehen zu lassen und machen erstmal ein Lagerfeuer, um uns aufzuwärmen. Den Deckel des Lagerplatz eigenen Klos ziert eine Schicht Eiskristalle, aber darunter hat man einen angenehmen Holzsitz, sehr komfortabel. Wer jetzt denken mag, oh je, jetzt fängt er an, über seine Klo-Erlebnisse zu erzählen, dem sei gesagt, dass es nichts schöneres gibt, als am Morgen im noch Nebel verhangenen Wald die Tiere zu beobachten ;-)
Wir frühstücken in der Morgensonne und brauchen ziemlich lange, um in die Gänge zu kommen. Schließlich brechen wir auf, der Plan ist, am Thunder Lake Mittag zu machen und dann den Weg zurück zum Auto anzutreten. Kurz nachdem wir den Ramona Lake verlassen haben führt der Pfad uns durch einen eher sumpfigen Teil des Parks. Holzbohlen sind mal wieder die Rettung vor abgesoffenen Bergstiefeln. Glitzernde Seen und verlandende Auen, von Bibern kreiert, säumen wieder unseren Weg.
Wir erreichen Thunder Lake am Mittag und finden einen netten sonnenüberfluteten Platz am Ufer.
Das Essen, Sandwichs mit Gemüse, Käse und ein Müsliriegel zum Dessert, schmeckt wieder unglaublich gut, schon allein, weil man im Freien isst und sich die Pause verdient hat. Das Panorama ist eine besondere Dreingabe der Natur...
Die Pause wird nicht allzu lang, es zeigt sich recht deutlich, dass wir Ende Oktober haben. Die Sonne scheint zwar, aber es ist kühl und so möchten wir gar nicht besonders lange ausruhen (und auskühlen), sondern machen uns alsbald auf den Rückweg.
Der Trail ist hier im südlicheren Teil nicht gerade zielgerichtet und verläuft im Zickzack über unzählige Hügel. Das Braun des Laubs dominiert noch immer, und es nicht immer leicht, die vielen Streifenhörnchen, die man im Laub rascheln hört, auch auszumachen. Aber nicht nur Streifenhörnchen können sich verstecken...
Als letzten See passieren wir den Guskewau Lake, der eine Ruhe ausstrahlt, die einen hoffen lässt, doch mal einen Elch zu sichten, auf dieser Tour leider vergebens.
In den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir den Parkplatz, an dem unser Auto steht. Ein großer Hefezopf wartet im Wagen auf uns, eine verdiente Leckerei, die schnell verdrückt ist. Bevor es dunkel wird, machen wir uns auf den Rückweg nach Waterloo und halten nur noch einmal in Gravenhurst, um einen hausgemachten Burger mit Homefries zu verspachteln. Gestärkt fahren wir den Rest der Strecke und kommen am Abend in Waterloo an. Es war mal wieder ein einmalig schönes Wochenende mit vielen kleinen Abenteuern und Erlebnissen. Auf dass es immer so bleibt... ;-)
| Patrick | Randy | Pete |
| Sylvia | Thomas |