Freitag, 26. Januar 2001

Es ist frühmorgens, 8 Uhr, es hat gerade wieder angefangen zu schneien. Am Abend zuvor habe ich meine Sachen gepackt, um heute mit Sabine zu einem neuen Abenteuer zu starten. In der eiskalten Luft starten wir mit dem Minivan zu einem Hardcore-Wintercamping-Wochenende ;-)) im Algonquin Park.

Wir quatschen ein wenig, sehen die Farmlandschaft der Region Waterloo an uns vorbeiziehen. Die Farmen sind in das unglaublich schöne Licht der Morgensonne getaucht, alles ist schneebedeckt und bietet uns - im warmen Auto sitzend - ein verklärtes Bild der eisigen Realität.

Die Bäume sind wunderschön bedeckt mit Raureif, der in der nächsten Stunde im Sonnenlicht dahin schmelzen wird.

Wenig später schläft Sabine neben mir ein. Die anstrengenden Tage der Uniwoche fordern ihren Tribut ;-)) und so habe ich auch ein wenig Zeit, meine Gedanken schweifen zu lassen. Als Sabine wieder aufwacht verlasse ich gerade den Highway 11 in Richtung Huntsville. Hier wollen wir Rob und Vroni, die hierher getrampt sind, auflesen, Treffpunkt Tim Horton's. Leider fahren wir zunächst zum falschen, erledigen noch einige Einkäufe, bis wir dann die zwei aus Sudbury in einem anderen Tim Horton's antreffen.

Wir brechen auf, um auf dem Highway 60 in den Algonquin Park zu gelangen. Unser erstes Ziel ist der Mew Lake Campground, der sich etwa bei Kilometer 30 im Park befindet.

Hier errichten wir die Zelte, besorgen Feuerholz und machen uns dann für einen kleinen Spaziergang zum Bat Lake Trail auf. Wir laufen gemütlich zum Bat Lake, wo wir eine Pause mit heißem Tee, Müsliriegeln und Christstollen (den Vroni mitgebracht hat, lecker!) einlegen.

Da es schon zu dämmern begonnen hat, machen wir uns auf den Rückweg. Schnell ist ein Feuer entfacht, im Dunkel kochen wir eine Reis-Gemüse-Hackfleisch-Pfanne. Als wir in Huntsville im falschen Tim Horton's auf Rob und Vroni gewartet haben kamen Sabine und mir noch einige gute Ideen für kulinarische Abendgestaltung der beiden nächsten Tage. Endlich haben wir es mal geschafft, die Menge Reis so abzuschätzen, dass kaum etwas übrig bleibt. Pappsatt sitzen wir am Lagerfeuer und wärmen uns ob der frostigen Temperaturen, die hier zur Zeit herrschen. Als kleines Bonbon hat Sabine einen Nachtisch kreiert, der so richtig zum Hardcore-Wintercamping passt: Schokoladeneis mit Kahlua, Sahne und einem Schokokeks in Form des Initials unserer Vornamen. Perfekt!

Um halb zehn haben wir genug gefuttert, das Feuerholz ist aufgebraucht, es wird zu kalt, um noch lange herumzusitzen. So legen wir uns in unsere Schlafsäcke und hauen uns aufs Ohr. Um 23 Uhr kommen Matthew und Jessica, Freunde von Rob aus Ottawa. Wir quatschen noch ein wenig durch die Zeltwände, dann beziehen die zwei ihr Lager in dem Zelt, das wir schon mal für sie aufgebaut haben. Die Nacht wird kalt, aber mit einigen Vorkehrungen (Decken, Wärmekissen und -flaschen) lässt es sich aushalten.

Samstag, 27. Januar 2001

Am Morgen wachen wir alle recht früh auf. Jede Bewegung im Zelt lässt Eisplättchen gefrorenen Kondenswassers auf uns herabregnen. So sehr man sich am Abend auf den warmen Schlafsack freut, so sehr freut man sich am Morgen, aufzustehen und sich endlich wieder zu bewegen. Trotz guten Isoliermatten merkt man, wie die Kälte von Boden her alles durchdringt.

Das Frühstück gestaltet sich wie immer: heiße Schokolade und Oatmeal mit Früchten - einfach (und) lecker! Wir brechen die Zelte ab und packen unseren Krempel zusammen. Die Ausrüstung wiegt ordentlich viel, nicht zuletzt, weil wir einige Schmankerln mitschleppen, aber dazu später...

Unser Plan ist, zum Minessing Trail zurückzufahren und von dort aus die spezielle Schneeschuhtour zu laufen, die ich zuvor schon im Winterurlaub gegangen bin.

Diesmal haben wir etwa 25 kg mehr zu schleppen und so kämpfen wir uns durch den tiefen Schnee bis zum Canisbay Lake. Von hier aus verläuft der Trail ca. 2,5 km über den See, der sich als weite weiße Fläche vor uns erstreckt.

Die oberste Schicht bestehend aus Pulverschnee bedeckt eine Schicht aus sulzigem, Wasser getränktem Schnee. Es ist schon ein seltsames Gefühl mit jedem Schritt einzusinken, am Anfang glaubt man noch bei jedem Schritt einzubrechen. Aber es friert seit ca. Mitte Dezember, die Temperaturen überschritten seither nicht die 0 ºC-Marke und somit ist es sicher über das Eis zu laufen.

Wir kommen nicht besonders schnell voran und als wir schließlich den Bieberdamm (BD) im Nordosten des Sees erreichen ist es schon spät am Nachmittag. Wir entscheiden, den Weg etwas abzukürzen und laufen direkt westwärts über den See bis wir zu einer Kanu-Portage gelangen. Ich erinnere mich, dass der Skitrail, auf den wir kommen wollen, diese Portage schneidet. Unsere Ziel für heute ist es, unsere Zelte in der Nähe einer Schutzhütte aufzubauen, die sich zwischen Canisbay Lake und Linda Lake befindet. Auf unserem jetzigen Weg schneiden wir etwa 3 km ab uns so erreichen wir wenig später die besagte Hütte, in der ich vor wenigen Wochen mit Peter und Nicolas eine Brotzeitpause gemacht habe.

Wir setzen uns zum Aufwärmen erst einmal in die bereits von Skilangläufern vorgeheizte Hütte, hier können wir auch unsere Sachen trocknen, die wir auf dem Weg hierher ordentlich eingeschwitzt haben. Und so kommt was kommen muss, wenn es einem gerade gut geht, es drinnen warm und draußen kalt und duster ist. Wir lassen von unserem Plan ab, in den Zelten zu übernachten und breiten uns stattdessen in dem kleinen Blockhäuschen aus. Als wir schließlich hungrig werden fällt mir siedend heiß ein, dass wir noch etwas ganz wichtiges im Auto vergessen haben, das wir für später am Abend unbedingt brauchen. Die Hütte liegt nur etwa 5 km von dem Parkplatz entfernt und so brechen Sabine, die die Wichtigkeit der fehlenden Zutat ebenfalls erkannt hat, und ich zu einem netten Abendspaziergang mit Schneeschuhen auf. Wir gehen die Sache etwas sportlich an und laufen zügig durch den Wald durch dessen Baumstämme wir den Sonnenuntergang am Horizont bewundern können. Reichlich warm und müde erreichen wir 110 Minuten später wieder die Hütte. Im nachhinein kann ich nur sagen, dass es sich absolut gelohnt hat, die zwei Liter Orangensaft noch zu holen ;-))

Zum Essen gibt es heute Pasta mit Tomaten-Zucchini-Thunfischsoße, wir hauen ordentlich rein. Der Ofen, der aus einem umgebauten Eisenfass besteht, heizt uns richtig auf und trocknet unsere nassen Sachen. Etwas später - die Blockhütte hat mittlerweile einen kleinen Kerosinunfall gut überstanden - bereiten wir vor, worauf ich mich schon den ganzen Tag gefreut habe - die Feuerzangenbowle! Vorbereitung ist alles, das heißt, dass ich 1,5 Liter Rotwein, Gewürze, Rum, eingelegte Orangenstücke, einen Zuckerhut und jetzt auch den O-Saft mitgebracht habe. Es kann losgehen. Als der Zuckerhut in blauen Flammen dahin schmilzt erfüllt ein süßer, alkoholischer Duft den Raum. Am Ofen sitzend schlürfen wir wenig später das Gebräu, das uns innerlich aufwärmt. Spätestens jetzt sind alle, froh, nicht noch raus in Zelt zu müssen. Der Abend vergeht viel zu schnell, wir sind alle ziemlich müde, und so legen wir uns bald schlafen. Die Temperatur in der Hütte sinkt rasch ab, auch der Ofen gibt nicht mehr viel Wärme ab. Ich wache des Öfteren in der Nacht auf, eine Maus läuft über meinen Schlafsack, ich kann ihre kleine Füßchen tapsen hören....

Sonntag, 28. Januar 2001

Wir wachen um sieben Uhr am Morgen auf, die Temperatur in der Hütte liegt unter Null, Wasser in unseren Trinkflaschen ist gefroren. Rasch räumen wir unseren Kram zusammen und frühstücken. Eine Stunde später sieht die Schutzhütte wieder anständig aus, wir füllen noch das Feuerholz auf, das wir verbraucht haben und kehren den Raum zum Abschluss aus. Um 9:30 Uhr brechen wir auf, um die verbleibenden 5 Kilometer zum Parkplatz zurückzulegen.

Als wir loslaufen fängt es gerade an zu schneien, dicke Schneeflocken fallen herab und bedecken die Äste und Zweige mit einem Puderzuckerguss. In der Morgensonne laufen wir unserem Ziel entgegen.

Nach eineinhalb Stunden erreichen wir den Wagen, laden unseren Kram ein und verabschieden uns von Matt und Jessica. Zurück auf dem Highway 60 fahren wir nach Huntsville wo Sabine und ich mit Rob und Vroni noch etwas warmes trinken und das ein oder andere Stückchen vernaschen. Dann heißt es auch für uns, Abschied zu nehmen. Rob und Vroni trampen wieder zurück nach Sudbury, während Sabine und ich mit dem Minivan auf der 11 südwärts düsen. Auf dem Rückweg legen wir noch einen 2-Stunden-Stopp im größten Factory Outlet (Werksverkauf) der Gegend ein, wo wir noch ein wenig shoppen und etwas essen, bevor wir dann nach Waterloo durchfahren. Die Sonne geht während dieser Zeit hinter einem Wolkenband unter, das immer größer zu werden scheint. Schließlich tauchen wir in dieses Band ein, den Rest der Fahrt ist es nur noch diesig und bewölkt, aber das stört und nicht. Wir hatten am Wochenende mal wieder ein unverschämtes Glück mit dem Wetter, da kann uns dieses leichte Bewölkung nicht bekümmern. Um 19 Uhr kommen wir wieder an den CLTs an, glücklich und zufrieden. Für Vroni und Rob dauert die Rückfahrt leider noch etwas länger. Hatten sie auf dem Hinweg noch viel Glück, scheint es ihnen jetzt nicht mehr hold zu sein. In North Bay bleiben sie stecken, keiner nimmt sie mehr mit, es wird schon dunkel. Nach drei Stunden geben sie auf und legen sich im Busbahnhof schlafen, von wo aus sie um 4 Uhr in der Frühe einen Bus nach Sudbury nehmen.

Wir werden alle wieder in die Welt der Uni und der Arbeit eintauchen, aber auch wenn diese uns für die nächsten Tage verschlingen wird, die Pläne für das nächste Abenteuer stehen bereits..........

 

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