16. Juli 2001
Nachdem wir in Calgary am Vormittag einige organisatorische Dinge erledigt haben starten wir gegen Mittag endlich gen Westen. Bis zu den Füßen der Rockies ist es nur eine Stunde und so zweigen wir in Canmore vom Highway ab und düsen in den Banff National Park.
Eine Schotterpiste führt uns 70 km in das Tal des Spray Lakes. Am Mt. Shark lassen wir den Van stehen und packen für die nächsten drei Tage. Es ist ca. 19 Uhr und bewölkt als wir endlich loswandern. Die ersten 8 km führen über einen breiten Weg, der zu Olympiazeiten als Biathlonstrecke diente.
Die Landschaft hier ist geprägt durch klare Gebirgsbäche und hohe Bergketten ringsum. An einem munter sprudelnden Bach füllen wir unsere Wasservorräte auf und machen eine kurze Pause.
Kurz vor der Dunkelheit schlagen wir unser Lager auf einem der ausgewiesenen Camps auf, direkt an einem kleinen Fluss gelegen. Der Platz ist umgeben von hohen Felswänden und noch 25 andere Leute werden heute hier nächtigen. Wer in die bekannten Nationalparks geht muss einfach damit rechnen, dass auch andere Leute auf dieselbe Idee kommen.
Es ist schon duster als wir endlich etwas kochen und uns stärken. Unsere Lebensmittel sind leicht an einem der so genannten bear wires aufgehängt und dann geht's auch schon ab in die Falle, der nächste Morgen wird ein früher werden.
17. Juli 2001
Gegen 6 Uhr stehen wir auf und frühstücken. Bevor die anderen Leute aufwachen brechen wir unsere Zelte ab und laufen los. Unser Ziel ist Lake Magog, der am Fuße des 3600 m hohen Mt. Assiniboines liegt.
Wir wählen eine längere Route, die uns zunächst auf eine Anhöhe mit wundervoller Aussicht bringt, die uns zu einer Mittagspause verleitet.
Leider ist der Trail unzureichend markiert und so laufen wir erstmal einen weiteren Umweg. Als wir wieder auf dem rechten Weg sind, wandern wir weiter am Hang einer Bergkette entlang und steigen immer weiter daran auf. Der Og-Pass ist unser nächstes Ziel, aber bevor wir in das Tal einschneiden werfen wir einen Blick zurück.
Wir umrunden den vor uns liegenden Berg halb bevor wir den Og-Pass in einem plötzlich einsetzenden Hagelsturm tatsächlich erreichen. Kurzzeitig ist alles weiß vom Graupel, der aber schnell wieder abtaut. Wir legen eine Pause für eine heiße Suppe ein und werden in dieser Zeit von der Sonne verwöhnt.
Aber das nächste Unwetter naht bereits und als wir auf der anderen Passseite wieder etwas absteigen empfängt uns ein Schneesturm, der wieder von Sonnenschein abgelöst wird. Wir laufen über alpine Wiesen, die von Scharen von Erdmännchen beherrscht werden, ihr Warnpfiff geht uns während der gesamten Zeit voraus.
Als wir schließlich die Mt. Assiniboine Lodge erreichen schneit es gerade wieder mal heftiger und alles ist mit einer weißen Schicht bedeckt.
Wir ruhen uns ein wenig aus und warten bis der jetzt regenartige Niederschlag aufhört. In dieser Zeit werden wir netterweise von einer Angestellte der Lodge mit Keksen versorgt, leider haben wir den 5-Uhr-Tee verpasst. Schließlich brechen wir auf und erreichen eine halbe Stunde später den Lake Magog, wo wir unsere Zelte auf einem ausgewiesenen Camp aufstellen.
Die Stimmung ist angesichts des Wetter ein wenig im Keller, außerdem war der Weg hierher 20 km lang und erschöpfend. Die Dusche aus dem Wassersack wird von anderen Mitcampern belächelt, während wir uns ordentlich einen abfrieren, aber uns hinterher einfach besser fühlen. Nach Reis mit Gemüse fallen wir reichlich fertig in die Schlafsäcke (es regnet/schneit immer noch, alles ist weiß). Gegen 21 Uhr hören wir plötzlich ein donnerndes Rumpel wie bei einem Gewitter, nur dass es nicht so schnell aufhört. Schließlich wird klar, dass der Gletscher am nahen Mt. Assiniboine gekalbt hat.
18. Juli 2001
Als ich am Morgen aufwache trommeln noch immer die Regentropfen auf unser Zelt. Der Himmel ist heute grau in grau, während gestern immerhin noch ab und zu die Sonne durchkam. Wir frühstücken und packen die nassen Zelte ein, dann geht's zurück gen Auto.
Wir nehmen den Wonder Pass, der uns zum Marvel Lake. Der Schneesturm zwischendurch taucht zeitweise wieder alles in weiß, hinter dem Pass geht es dann auf steilen Geröllhalden hinab zum Marvel Lake, der mit seinem intensiv türkisfarbenen Wasser aus den Nebel verhangenen Wäldern hervorsticht. Als wir nach 14 km wieder auf den gleichen Trail stoßen, der uns bereits in das Tal hineingeführt hat, machen wir eine zweite Mittagsrast in einer Schutzhütte und wärmen uns wieder mal auf.
Der Weg zurück zum Wagen verläuft ereignislos und zieht sich wie Kaugummi. Wir freuen uns nach knapp 28 km wieder angekommen zu sein und suchen uns einen schönen Campingplatz in der Nähe des Highways. Den Abend verbringen wir mit einem leckeren Hackfleisch-Gemüse-Nudel-Eintopf, ein paar Bierchen und Gitarrenmusik am Lagerfeuer. Seit unserer Rückkehr aus dem Tal scheint die Sonne wieder und die Temperatur liegt bei angenehmen 15-18 °C.
19. Juli 2001
Am Vormittag fahren Bine und Simon nochmals nach Calgary, um neue (wasserdichte) Wanderschuhe für Bine zu kaufen. Daniel und ich genießen in der Zwischenzeit das Leben, indem wir zunächst ausgiebig frühstücken (2 Stunden, Rührei mit Speck und grünem Pfeffer, Nutellabroten etc.) und dann auf einem Lehrpfad rund um den Campingplatz auf Entdeckungs- und Fototour gehen. Gegen 12:30 Uhr, nach einem schönen Spaziergang durch ein Flusstal, vorbei an einer Biberburg, sind wir wieder zurück und wenig später treffen auch Simon und Sabine wieder ein.
Gemeinsam fahren wir zum Lake Louise, DER touristischen Attraktion der Gegend. Wenn nicht so viele Leute herumlaufen würden, könnte ich dem See tatsächlich etwas abgewinnen, aber so laufen wir lieber zum nahen Tea House am Lake Agnes zum gemütlichen Kaffeetrinken.
Am Nachmittag folgen wir dem Highway weiter zum Yoho National Park, wo wir zunächst die Spiral Tunnels der Eisenbahn bewundern und uns dann auf dem eigentlich voll belegten Kicking Horse Campground einen Platz (und die Gebühren) mit zwei netten Deutschen teilen.
Am Abend - ca. 17 Uhr, der Platz liegt sonnengeschützt zwischen hohen Felswänden - gibt es Burger und Weißwein.
20. Juli 2001
Früh am Morgen stehen wir auf und brechen unser Lager ab.
Wir folgen der Yoho Valley Road, die sich ins gleichnamige Tal schlängelt. Wir stellen den Wagen an den beeindruckenden Takakkaw Wasserfällen ab und laufen zum Whisky Jack Trailhead (auf ca. 1700 m) zurück, um von hier auf den Iceline Trail zu starten.
Recht steil führt der Trail zunächst auf 2100 m, um von hier aus sich zwischen Baum- und Eisgrenze am Hang entlang zu winden. Zwei Gewächse stechen jedem Besucher sofort ins Auge. Ihre Namen lassen recht leicht auf ihr Aussehen schließen, zum einen ist das der "Indian Paintbrush" und zum anderen der "Hippie-on-a-stick".
Wir folgen dem Trail über weiträumige Geröllhalden und genießen die Aussicht auf die gegenüberliegenden Takakkaw Falls.
An einer Stelle verlassen wir den Pfad und steigen Richtung Eis auf.
Die scheinbar niedrigen Felsterrassen, die auf dem Bild oben als dunkler Streifen unterhalb des Eises zu sehen sind, stellen sich als 4 große, jeweils ca. 10 Meter hohe Wände heraus. Bine und ich wagen die Kraxelei und werden mit der Sicht auf den gewaltigen Eispanzer des Emerald Gletschers belohnt.
Wieder zurück auf dem Weg legen wir unsere Mittagspause ein und steigen dann wieder ins Tal ab.
An den Laughing Falls, den lachenden Wasserfällen, vorbei gelangen wir nach 17,2 km wieder zurück zum Wagen.
Auf dem Rückweg zum Highway zeigt sich uns noch das Schauspiel eines überlangen Busses, der sich durch die engen Kurven der Serpentinen manövriert. Ein Schild gibt eine Anleitung: Zuerst zur ersten Kehrschleife fahren, dann rückwärts zur nächsten, die letzte wieder vorwärts.
Wieder zurück geht es in Lake Louise auf den Highway 93 (Icefield Parkway) gen Norden. Im Nieselregen gelangen wir nach Jasper, wo wir am Abend unsere Lager auf einem überlaufenen Campingplatz aufbauen. Trotz schlechten Wetters ist die Stimmung gut, eine heiße Dusche erfrischt und wärmt zusätzlich zum Bierchen, auf.