28. August 2001

Nachdem unsere Zelte auf dem Wolf Creek Campground bei Whitehorse abgebrochen sind fahren wir noch kurz in die Stadt, um dort Einkauf, E-Mails und Telefonate zu erledigen. Heute ist fast nur Fahren angesagt, es geht weiter südostwärts nach Watson Lake.

Nachdem auch Peter den Schilderwald gesehen hat düsen wir weiter nach Süden, wo wir die Yukon Territories verlassen und wieder nach Bristish Columbia gelangen. Als es Abend wird suchen wir einen recht einsam gelegenen Campingplatz mit dem viel versprechenden Namen "Moose Meadows" auf. Als wir ankommen wird es gerade dunkel und so essen wir wenig später im Schein unserer Lampen leckere Pitas mit Hackfleisch-Salat-Füllung. Mit der Dunkelheit kommt auch die Kühle und so liegen wir bald in unseren Schlafsäcken.

29. August 2001

Als wir gegen 6 Uhr aufstehen liegt ein dichter Nebelteppich auf dem See gleich an unserem Lager. Hinter der nahen Bergkette geht gerade die Sonne auf.

Es ist richtig frisch, gerade mal 1 °C, aber es verspricht ein schöner Tag zu werden. Leider hält das gute Wetter nicht länger als der Morgen und als wir vom Highway abbiegen, um einen Abstecher nach Stewart zu machen, ist es bereits wieder bedeckt. Dafür sehen wir einige schöne Gletscher. Auf der nur 65 km langen Strecke bis Stewart kann man bis zu 26 Gletscher bewundern!

In Stewart machen wir Mittag (es gibt frischen Räucherlachs ;-)) und fahren noch 2 Kilometer, um nach Hyder, Alaska, zu gelangen. Simon meint, hier gäbe es keine Grenzkontrollen und so düsen wir kurz in den winzigen Ort, der allein vom Verkauf von Souvenirs zu leben scheint. Nach zwei Minuten sind wir auch schon wieder auf dem Rückweg, nur, dass an der Grenz plötzlich ein Officer auf die Straße springt. Als er unsere Pässe verlangt bricht erstmal eine leichte Panik aus, die Reisepässe sind irgendwo vergraben....Aber alles geht gut und so können wir am Abend den wenig spektakulären Seeleg Campground aufsuchen.

30. August 2001

In der Frühe geht es ohne Frühstück los, dafür fallen wir im nahen Smithers im Tim Hortons ein. Später gelangen wir nach Prince George, wo wir einige Briefe abholen und aufgeben. Die öffentliche Bibliothek muss mal wieder für E-Mail-Kontakte herhalten. Bis zum Abend sitzen wir in einem supergemütlichen Cafe-Buchshop und schmökern bei leckerer heißer Schokolade. Die Nacht verbringen wir auf dem Lazy Bee Campground 15 km außerhalb der Stadt.

31. August 2001

Am Morgen lassen wir den längst fälligen Ölwechsel machen und kaufen für mehr als $200 Vorröte für die kommende Tour. Später fahren wir wieder südwärts auf den Highway, um nach ca. 100 km ostwärts zur Bowron Lakes Seenkette abzubiegen. Auf dem Campingplatz des Bowron Lakes Provincial Parks schlagen wir unser Nachtlager auf und packen noch bis in die Dunkelheit unsere Ausrüstung für die anstehende 7-8-tägige Paddeltour.

1. September 2001

Heute stehen wir früh auf und fahren zum nahen Kanu-Verleih. Mit Paddeln und Schwimmwesten ausgestattet sind wir wenig später zurück am Reception Center des Parks, wo es eine Gruppenregistrierung und ein Einführungsvideo gibt, wie schön :-( Ich fahre den Van zurück zum Verleiher (wo er für die nächsten Tage untergestellt wird) und werde mit den Kanus zum Startpunkt unserer Tour (am Reception Center) gebracht. Sabine, Simon und Peter haben bereits das Gepäck registriert (nur 27 kg dürfen während des Portagierens IM Kanu verbleiben) uns so können wir rasch die Boote beladen und uns auf die erste, 2,4 km lange Portage zum Kibbee Lake machen. Am Ende der Portage sind auch wir schon ganz gut eingeschwitzt. Wir haben etwas genießerisch geplant und an die 100 kg Lebensmittel mitgenommen, vermutlich ausreichend für 8 Tage (und einen Haufen Fresssäcke ;-)).

Munter geht es weiter, auch wenn das Wetter sich nicht so recht auf eindeutig sonnig oder eindeutig bewölkt einigen kann. Der eher winzige Kibbee Lake (2,4 km) ist rasch überquert und wenige Minuten später sind wir bereits bei der nächsten Portage (2,0 km) zum Indianpoint Lake.

Bis kurz vor dem ersten Campingplatz ist es sonnig, dann bauen sich plötzlich schwarze Wolken auf und der Wind frischt enorm auf. Obwohl es erst 13 Uhr ist entschließen wir uns kurzerhand, nichts zu übereilen und gleich den nächsten Campground (#4) anzulaufen. Noch auf dem Wasser ereilen uns die ersten schweren Regentropfen und wenig später geht's so richtig los. Im Nu sind die Zelte aufgebaut und ein Regentarp gespannt, nachdem unsere Sachen verstaut sind gesellen wir uns um das lustig prasselnde Lagerfeuer.

Aber das schlechte Wetter ist so schnell vorbei wie es kam und so sitzen wir später in der Abendsonne und genießen das Nichtstun. Es ist nicht gerade kalt, aber die umliegenden Bergspitzen haben in dem Unwetter frischen Schnee abgefasst, der Winter ist nicht mehr fern. Insgesamt sind 116 km zurückzulegen, der Rekord liegt bei 12 Stunden und 27 Minuten ;-)) 6 Tage wollen wir aber schon unterwegs sein, ausspannen und das Paddeln genießen. Bis zum Abend schreiben wir Briefe, quatschen und versuchen uns beim Angeln, aber nichts beißt an.

2. September 2001

Als wir aufwachen werden wir mit eitel Sonnenschein begrüßt. Nach einem ausgiebigen Frühstück beladen wir wieder die Boote und paddeln bis zur nächsten Portage.

Nach 1,5 km gelangen wir zum Isaac Lake, dessen Westarm wir folgen. Auf einer Sandbank landen wir an, um dort unsere Mittagspause abzuhalten.

Kurz nachdem wir wieder aufgebrochen sind gelangen wir auf den Hauptarm, an dem wir uns wiederum bald (gegen 14 Uhr)  einen Campingplatz suchen (#17). Dieser liegt in einer kleinen, sonnendurchfluteten Bucht, welche uns mit glasklarem Wasser zum Baden lockt. Wir entladen die Boote, bauen unsere Zelte auf und legen nehmen dann erstmal ein erfrischendes Bad im kühlen Wasser. Den restlichen Nachmittag liegen wir faul in der Sonne, lesen oder schreiben Briefe. Am Abend setzen wir uns ums wärmende Lagerfeuer und versuchen unsere Lebensmittelvorräte zu dezimieren ;-))

3. September 2001

Gegen 9 Uhr stehen wir auf und brechen bald danach wieder auf. Heute stehen uns ca. 30 km auf dem Hauptarm des Isaac Lakes bevor und leider ist das Wetter - im Gegensatz zu gestern - wieder mal unentschlossen. Dicke Wolken und Sonnenschein wechseln sich häufig ab.

Gegen Mittag landen wir bei Campground #21, allerdings nur für die Mittagspause. Nachdem wir uns satt gefuttert und auch noch eine andere Gruppe Paddler mit  frisch gebackenem Kuchen beglückt haben brechen wir wieder auf und sind am Nachmittag dann am Südende des Sees.

Leider erweist sich, dass wir heute etwas spät sind mit der Nachtlagersuche und so sind die beiden Campingplätze (#28 u. 29) bereits belegt. Jammern hilft nichts und so müssen wir noch mal die Kanus portagieren. Zuerst allerdings Wagen Peter und ich die "Chute" und den anschließenden "Roller Coaster", zwei Wildwasserabschnitte, die zur Befahrung freigegeben sind und einen Haufen Spaß machen. Nach 2,8 Kilometern gelangen wir schließlich zum Campingplatz #30 am McLeary Lake.

Es wird gerade dunkel als wir unsere Zelte aufstellen und wenig später ist es richtig duster. Aber am Lagerfeuer lässt es sich gut aushalten, zumindest bis wir nach und nach müde in die Schlafsäcke kriechen.

4. September 2001

Heute heißt es früh aufstehen, gegen 6:30 Uhr geht der Wecker. Vor uns liegt der McLeary Lake, der wenig später in den Caribou River mündet. Hier soll man am Morgen gut Elche beobachten können. Als wir uns auf den Weg machen liegt noch eine Schicht Morgennebel auf dem See, es ist fas unheimlich still.

Der Fluss erweist sich als grau-milchiges Gewässer das Unmengen Gletscherabraum mit sich führt. Zudem liegt viel Treibholz am Ufer und der Caribou strömt ordentlich schnell dahin, so dass man aufpassen muss, wohin man steuert. So ist die Flusspassage schnell vorbei und ohne, dass wir irgendwelche Tiere größeren Tiere gesehen haben, nur ein paar Otter huschen ins Wasser als wir uns nähern. Etwas später - auf dem Lanezi Lake - stoppen wir kurz bei Campingplatz #32, um dessen Panorama-Toilette zu genießen. Wir paddeln noch ein wenig weiter und machen dann eine Frühstückspause an der Schutzhütte #34. Bis zum Mittag schaffen wir es immerhin bis zum Campground #37 am Ende des Sees, wo wir einige Zeit im warmen Sand verbringen. Am Nachmittag queren wir den anschließenden Sandy Lake, einen sehr flachen See mit Sandboden. Die Campingplätze hier sind leider bereits alle belegt und so entschließen wir uns, bis zum Unna Lake weiter zu paddeln. Auf einem weiteren, kurzen Teilstück des Caribou Rivers kommt uns eine Gruppe entgegen, die genau das gleiche Ziel hat, aber offensichtlich den falschen Weg ;-)) Wenig später gelangen wir tatsächlich zum Unna Lake, einem kleinen aber wunderschönen See. Am sonnenüberflutetenden Ufer schlagen wir unser Nachtlager auf.

Peter und ich brechen nochmals auf und überqueren den See, wo ein kurzer Wanderweg zu den Caribou-Wasserfällen führt. Die Fälle sind immerhin 24 Meter hoch und das Wasser tost mit gewaltigem Donnern in die Schlucht.

Als wir wieder zurück beim Lager sind ist es später Nachmittag und so faulenzen wir ein wenig, bevor es dann ans Kochen geht. Der See liegt jetzt ganz still und glatt vor uns, die umliegenden glühenden Bergspitzen spiegeln sich darin. In den letzten Sonnenstrahlen genießen wir unser Abendessen und sitzen dann am Lagerfeuer und trinken heiße Schokolade.

5. September 2001

Am Morgen liegt der See in dichtem Nebel, der sich nur langsam mit der aufsteigenden Sonne lichtet.

Am Strand vor unseren Zelten sehen wir plötzlich frische Spuren eines Elches, denen wir spontan folgen. Wenig später entdecken wir eine einzelne Elchkuh, die sich kaum von uns beeindrucken lässt und seelenruhig weiter frisst.

Wir schießen einige Fotos und sind bald zurück an den Zelten, wo wir uns in den Sand hocken und bei etwas mehr heißer Schokolade beobachten, wir ein Kanu nach dem anderen den See verlässt.

Bevor wir aufbrechen suche ich noch eines der Toilettenhäuschen auf, die etwas weiter hinter uns im Wald stehen. Als ich dort sitze höre ich plötzlich ein zischendes Geräusch und fast im gleichen Moment den lauten Einschlag auf dem Dach der Toilette. Nun erfolgt das ganze mehrmals, fast im Sekundenabstand und ich denke bereits an einen blöden Scherz meiner Freunde. Als ich schließlich aus dem Häuschen hervortrete entdecke ich schnell den Unhold. Ein Eichhörnchen sitze gut 15 Meter über mir im Baum und pflückt grüne Tannenzapfen, das heißt zunächst lässt es sie nur auf den Boden sausen ;-))

Am späten Vormittag verlassen auch wir den Unna Lake und folgen weiter der Runde über den Babcock Creek und den anschließenden gleichnamigen See. Wir überqueren einige weitere kleine Seen, die meist über nur kurze Portagen verbunden sind.

Am Nachmittag paddeln wir fast den gesamten Swan Lake hinunter und stellen schließlich unsere Zelt auf Campground #50 auf. Neben Angeln und Lesen spannen wir einfach nur aus bis es später dann Abendessen gibt. Zur Krönung gibt es zum Dessert Jell-O Käsekuchen (ohne Kochen, ein Hoch auf die Chemie ;-)).

6. September 2001

Als ich aufwache schüttet es gerade und die Regentropfen trommeln auf das Zeltdach. Wir frühstücken unter unserem Tarp und in der Zwischenzeit wandelt sich der Regenschauer in kühlen Nieselregen, der im Laufe des Vormittag aufhört. Wir packen unseren verbleibenden Krempel und wollen den rechten Arm des Bowron Rivers hinab zum gleichnamigen (und letzten) See paddeln. Nachdem wir zunächst einen toten Flussarm erwischen trennen wir uns und Simon und Sabine nehmen den linken, Peter und ich dagegen den rechten Arm. Als wir auf den anderen Arm stoßen warten wir ca. 30 Minuten, bevor wir schließlich diesen hinaufpaddeln und dabei entdecken, dass es insgesamt drei Arme gibt, von den einer nicht auf der Karte eingezeichnet ist. Wir dümpeln noch ein herum, und hoffen, die beiden anderen zu treffen, doch vergebens. Stattdessen entdecken wir allerlei Raubvögel und - welch Überraschung (für alle) - hinter einer Flussbiegung (exakt an der Stelle, an der Peter und ich zuvor auf die anderen zwei gewartet hatten) steht ein Grizzly am Ufer und säuft. Als er uns wahrnimmt dauert es leider nur eine Sekunde und er ist im dichten Dickicht verschwunden.

Schließlich geben wir die Warterei auf und folgen dem Fluss zum Bowron Lake. Am Nordufer desselben stehen schon Bine und Simon mit dem Van. Schnell ist alles eingepackt, die Boote zurückgegeben und wir im Park abgemeldet. Dann geht's auf derselben staubigen Schotterpiste, auf der wir bereits vor einigen Tagen hergekommen sind zurück nach Quesnel und weiter Richtung Williams Lake. Kurz vor der Stadt stoppen wir auf einem Campingplatz nahe des Highways, wo wir uns erstmal eine heiße Dusche genehmigen. Am Abend gibt es leckere Burger und bereits wenig später bricht eine kalte, sternenklare Nacht an.

 

 

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