21. Juli 2001
Am Morgen geht auf dem Icefield Parkway (Highway 93) für uns die Fahrt nach Norden weiter. Der Highway zieht sich durch den größten Teil des Jasper National Parks und führt durch einsame Wälder, vorbei an wunderschönen Seen und unberührten Tälern.
Immer wieder sind Gletscher zu sehen über denen sich Wolken bilden und so atemberaubende Wetterschauspiele liefern.
Die Fahrt geht auch vorüber am 325 km2 großen Columbia Icefield, eines Überbleibsels aus der letzten Eiszeit, das seine Schmelzwasser in drei verschiedene Ozeane schickt (Atlantik, Pazifik und Polarmeer). Mit großen Trucks kann man sich auf den Gletscher fahren lassen, aber das ist mehr was für lauffaule Touristen. Das Besucherzentrum ist heute wie ausgestorben und auch uns reizt das Wetter heute zu keinem Ausflug.
Nach einer kurzen Wäschewaschaktion im touristischen Jasper steht für uns fest, dass das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung macht und so lassen wir von dem Gedanken ab, eine Tour um Mt. Robson, den höchsten Berg der kanadischen Rockies, zu machen.
Ab Jasper halten wir uns für ein kurzes (~70 km) Stück östlich auf Highway 16 und nehmen dann den Bighorn Highway (#40) gen Norden. Die Fahrt auf der eher schmalen, schlecht ausgebauten, dafür aber umso idyllischeren Straße wird zum echten Erlebnis, was Wetter und Tiere angeht. Als gerade die Sonne mal scheint passieren wir eine Herde Caribous, die an und auf der Straße stehen uns sich von uns nicht weiter stören lassen.
Wenig später läuft ein kapitaler Hirsch direkt vor unserem Wagen über den Highway, um auf der anderen Seite ein erfrischendes Bad im See zu nehmen. Zwei Stunden später wird das Wetter wird schlechter, dunkle Wolken ziehen auf und schließlich fängt es an zu regnen. Die Stimmung ist trotzdem ausgezeichnet, schließlich sitzen wir im warmen Auto und heute ist sowieso nur Vorankommen angesagt.
Etwas nervig ist dennoch, dass es anfängt zu regnen bzw. zu schütten wie aus Eimern. Die Straße ist plötzlich gesperrt und kann dann wegen Überschwemmung nur langsam befahren werden.
Am Nachmittag passieren wir Dawson Creek, dem Startpunkt des Alaska Highway, dem wir von nun an folgen. Hier treffen wir vier Daddies, die sich mit ihren Harleys von Michigan aufgemacht haben, um den Alaska Highway hinaufzudüsen. Wir helfen ihnen beim Gruppenfoto und fahren dann weiter. Nach wenigen Kilometern biegen wir auf ein altes Teilstück des Alaska Highways zum Kiskatenaw River ab und suchen hier einen Campingplatz auf.
In den vergangenen Tagen muss es hier tatsächlich geschüttet haben, der nahe Fluss führt jedenfalls gigantische Wassermassen und transportiert allerlei entwurzelte Bäume mit sich. Die Befahrung der größten gebogenen Holzbrücke Kanadas wird dabei zum Erlebnis.
22. Juli 2001
Auch heute steht wieder Langstreckenfahren auf unserem Programm, ca. 700 km sind zu bewältigen. Die ersten Stunden sind eher langweilig, auch wenn wir hier unsere Motorradgang wieder treffen. Aber 400 km nur Straße mit Wäldern rechts und links ist auf die Dauer wenig anregend.
An einer Tankstelle mitten in der Pampa machen wir unsere Mittagspause.
Wieder auf der Straße sehen wir ab und zu Elche, die auf den Grünstreifen äsen. Schließlich wird es wieder etwas gebirgiger, die Landschaft verändert sich zunehmend. Als wir an einem Aussichtspunkt anhalten warnt uns ein anderer Autofahrer vor einem Bären, der die Gegend gerade unsicher machen soll.
Als wir weiterfahren halten wir natürlich die Augen offen können aber nichts entdecken. Aber wenig später sehe ich etwas großes, dunkles am Wegesrand und halte an. Tatsächlich, dort sitzt mein erster Schwarzbär, keine 20 Meter von uns, und frisst ungestört die jungen Blätter von Büschen.
Wir sitzen für mindestens 10 Minuten und beobachten in Ruhe. Schließlich verzieht der Bär sich ins Gestrüpp und wir fahren weiter. Die Straße nach Fort Nelson ist jetzt nicht mehr besonders gut, große Stücke sind einfach in Schotter gehalten, während derer man besonders auf andere Fahrzeuge achten sollte, wenn man durch die Staubwolke der vorausfahrenden Autos düst.
Am Nachmittag passieren wir den Stony Mountain Provincial Park. Hier verirren sich mal wieder einige Caribous auf die Straße und in der jetzt immer felsigeren Landschaft wird vor anderen Tieren gewarnt, den so genannten Dall Sheep. Prompt sehen wir eines dieser Tiere, wenn auch ein junges, das noch ohne Hörner umher springt.
Ab und zu wird man dann aber doch mit der Zivilisation konfrontiert, die sich zum Beispiel als Flugzeug darstellt, das auf einem Grünstreifen direkt neben der Straße landet.
Die Landschaft verblüfft uns immer wieder mit ihrer Schönheit und wir genießen die regenfrische Fahrtluft, hören Musik. Wir schlagen schließlich unser Lager am Muncho Lake im gleichnamigen Provincial Park auf.
Der türkisgrüne See lädt zum Baden ein und ist nichtmal besonders kalt. Den Abend verbringen wir wieder mal gemütlich am Lagerfeuer, essen und unterhalten uns gut.
23. Juli 2001
Auf dem weiteren Weg nach Watson Lake machen wir Halt an den Liard Hot Springs. Das Wetter ist wieder mal grau und da macht es einfach gute Laune, sich bei 15 °C Außentemperatur in das 40-49 °C heiße Wasser zu hocken. Die Pools sind weitestgehend naturbelassen und ist mitten im Grünen.
Nachdem wir uns erholt und entspannt haben machen wir uns wieder auf den Weg. Auf einem der langen Schotterstraßenstücke überholen wir mal wieder einen der hier oft gesehenen Camperkonvois mit mindestens 30 Fahrzeugen. Wir passieren die Provinzgrenze zu den Yukon Territories und kurz vor Watson Lake machen wir am Lucky Lake unsere Mittagspause.
Als wir gerade unser Essen auspacken rollen die ersten des Konvois ebenfalls ein, die letzten kommen, als wir fertig sind mit unserer Mittagspause. Wir fahren in den Ort und sehen uns hier die berühmte Sammlung von Verkehrsschildern aus aller Welt an. Dabei sind auch deutsche Kennzeichen und Ortsschilder, bei denen man sich wundert, wie diese riesigen Schilder hergebracht wurden.
Ca. 40.000 Schilder sind hier aufgereiht, jedes erzählt seine eigene Geschichte. Viele Stücke sind zum Schmunzeln, Wieder erkennen.
Wir brechen nochmals auf und fahren die restliche Strecke nach Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon. Sie stellt mit 20.000 Personen die Hälfte der Einwohner der Provinz, die so groß ist wie Deutschland. Hier hatte ich gehofft, Mary anzutreffen, die ich als Mitfahrerin nach Ottawa auf unsrer Tour nach Nova Scotia kennen gelernt habe. Leider ist sie nicht anzutreffen und so beziehen wir einen örtlichen Campingplatz und gönnen uns am Abend noch eine Riesenpizza in der Zivilisation.