7. September 2001

Dieser Morgen zeigt sich uns recht frostig, Raureif überzieht Zelte und Rasen. Wir frühstücken kurz und düsen anschließend nach Williams Lake, wo wir am Van eines der Kardangelenke austauschen lassen müssen und dem Motor einen neuen Verteiler spendieren.

Als wir am Mittag weiterkommen folgen wir der Straße nach Lilloet, die sich wundervoll durch eine fantastische Bergwelt zieht. Dort angekommen fallen wir erstmal in der deutschen Bäckerei ein und können uns gar nicht satt sehen. Entsprechen leisten wir uns für $27 frisches deutsches Brot, Mohn- und Pflaumenkuchen, Brezeln und Laugenbrötchen und eine Milka-Schokolade ;-))

Nachdem wir uns auf der Terasse des Cafés voll gefuttert haben beziehen wir unser Lager auf einem schönen Campground am Seon Staudamm, der kostenlos von B.C. Hydro betrieben wird. Den Nachmittag und Abend verbringen wir mit Aufräumen des Vans, Reparatur von Ausrüstung, Blasenpflege, Telefonieren und Sternenfotografie (alle Bilder misslungen :-((

8. September 2001

Am Morgen fallen wir zum Frühstück einfach nochmals in der leckeren Bäckerei ein und lassen abermals $25 dort. Zurück auf dem Campingplatz kommen wir gerade rechtzeitig um an einer der umliegenden Hängen die Kraxelei von 5 weißen Bergziegen. Bevor wir gen Whistler aufbrechen wollen wir noch die Lachslaichgründe und den Wasserfall aus dem Film "Rambo" besuchen, aber leider fehlt jegliche Ausschilderung und so bleibt nur ein netter Spaziergang um den Campground.

Gegen Mittag folgen wir der Straße weiter durch eine atemberaubende Bergwelt und gelangen so am frühen Nachmittag nach Whistler, DEN Touriort ! Hier sind einfach zu viele Menschen. Ausgerechnet am Samstag mussten wir hier auflaufen :-((

Die Fotos hier sind erst später in der Woche gemacht und zeigen nicht, WIE schrecklich es hier sein kann. Der Ort an sich ist ganz nett aufgemacht und hat viel von einem europäischen Bergort. Das ist vor allem erstaunlich, da Whistler erst Anfang der 80er Jahre von nichts aus dem Boden gestampft wurde. Wir füllen nur unsere Vorräte auf und fahren weiter gen Süden, wo wir ca. 30 km außerhalb von Whistler zum Garibaldi National Park kommen.

Hier wollen wir 3 Nächte bleiben und machen uns auf dem völlig überfüllten Parkplatz daran, unsere Ausrüstung zusammen zu stellen.

Wenig später sind wir auf dem Weg und können nur hoffen, dass die Leute nicht alle über Nacht bleiben wollen. Aber bereits auf dem ca. 7,5 km langen Aufstieg (ca. 800 Höhenmeter, 2 Stunden Laufzeit) zum Taylor Meadows Campground kommen uns viele entgegen, die nur einen Tagesausflug (mit Trittchen und Turnschuhen) gemacht haben. Kurz vor dem Campingplatz haben wir dann den ersten Ausblick auf unser morgiges Tagesziel, den Black Tusk.

Oben angekommen stellen wir rasch unsere Zelte auf und Kochen, wenig später ist es bereits duster (Sonnenuntergang 19:41 Uhr). Nach dem Essen - mit der Dunkelheit wird es mal wieder empfindlich frisch - gehen wir bald schlafen.

9. September 2001

Gegen 8:30 Uhr stehen wir auf und frühstücken lecker. Mit Tagesgepäck geht es anschließend weiter bergauf. Unser Ziel für heute ist der Black Tusk, der ca. 800 Höhenmeter über uns aufragt. Wir haben fantastisches Wetter und die Berghänge sehen aus wie die einer Modelleisenbahn.

Nach 2 Stunden machen wir gerade unterhalb des schwarzen Basaltblocks unsere Mittagspause. Von hier aus geht ein Kamin weiter nach oben, der einigermassen anspruchsvoll ist und nicht gerade in Turnschuhe begangen werden sollte. Leider sind viele Leute da, die keinerlei Bergsteigerfahrung haben und beim Auftieg massenhaft Geröll lose treten, das dann die nichts ahnenden Leute weiter unten gefährdet. Ein Wunder, dass nicht mehr passiert !

Nach unserer Brotzeit steigen auch wir zum 2315 Meter hohen Gipfel auf. Die Rundumsicht, die uns hier erwartet ist fast unbeschreiblich, wir stehen da und genießen ;-))

Irgendwann haben wir uns satt gesehen und machen uns an den Abstieg. Die zuvor mühsam erklommenen Geröllhalden legen wir im Schnellgang zurück, was für ein Spass. In nur 1,5 Stunden sind wir wieder zurück am Lager und liegen noch etwas faul in der Sonne.

Am Abend gibt es dann wieder Leckeres zum Essen und bald darauf verkriechen wir uns in die Schlafsäcke. Leider ist heute vorerst nicht an Schlafen zu denken, da eine ca. 40-köpfige Jugendgruppe kurz vor Sonnenuntergang eingefallen ist, die entsprechend aufgeregt dabei ist, Zelte aufzubauen und gleichzeitig Essen zu kochen ;-))

10. September 2001

Die Sonne lacht uns zum Frühstück, dann packen wir unsere Zelt und restlichen Krempel und wandern weiter zum Garibaldi Lake, den wir schon  gestern vom Black Tusk aus bewundert haben. Hier stellen wir unsere Zelte auf und relaxen erstmal ein wenig.

Etwas später sitzen wir am See und machen erstmal Brotzeit. Der Blick von hier ist wunderschön, der gegenüberliegende Sphinx Gletscher spiegelt sich im türkisgrünen Wasser.

Irgendwann packt uns dann doch noch mal die Wanderlust und wir erklimmen über die letzten Schneefelder die Panorama Ridge, die ihrem Namen alle Ehre macht.

Der Rückweg bringt nochmal eine lustige Schneerutschpartie mit sich. Als wir am späten Nachmittag zurück zu den Zelten kommen setzen wir uns hin und kochen mal wieder was leckeres. Als wir gerade essen wirft die Sonne ihre letzten, golden-roten Strahlen auf die Schneefelder des Sphinx Gletschers.

Bald darauf wird es dunkel und kühl, seit einige Tagen gab es keine Nacht mehr ohne Frost und morgendlichen Raureif.

11. September 2001

Am Morgen brechen wir nach einem kurzen Frühstück auf und nach ca. 2 Stunden sind wir wieder zurück auf dem Parkplatz. Auf der Fahrt nach Whistler halten wir an einem Telefon, damit Sabine bei Rob und Susanne in Vancouver wegen ihres Fluges nach Toronto anrufen kann. Während Sabine telefoniert gehen Simon, Peter und ich in der Nähe der Brandywine Falls baden.

Als Sabine zurückkommt ist sie ziemlich aufgelöst und erzählt uns von den Terroranschlägen in den USA. Wir sind total fassungslos und können nicht so recht glauben, dass das wirklich passiert ist. Wir setzen uns erstmal ins Auto und schalten CBC an, rufen abwechselnd Freunde und Familie an, um zu melden, dass es uns gut geht. Sabines Flug ist natürlich abgesagt und so fahren wir nach Whistler zurück und sehen dort die CNN Nachrichten. Es herrscht eine sehr bedrückende Stimmung und alles erscheint uns völlig surreal, als ob die Zeit angehalten worden sei. Eher wie ferngesteuert erledigen wir Dinge wie Wäsche waschen und Einkaufen. Am Abend schlagen wir unser Lager an den Brandywine Falls auf, wo wir noch lange im Wagen sitzen und den Berichten im Radio lauschen. Schließlich legen wir uns schlafen, aber um 2 Uhr in der Nacht höre ich plötzlich ein Geräusch eines sich nähernden Zuges, das rasch lauter wird. Als er schließlich da ist, ist es, als führe er direkt durch unser Zelt. Ziemlich gerädert schlafe ich irgendwann doch noch ein.

12. September 2001

In der Frühe fahren wir wieder nach Whistler und laden Bine am Busbahnhof ab. Der inner-kanadische Flugverkehr soll heute wieder seinen Betrieb aufnehmen und Bine möchte trotz allem nach Ontario zu Rob.

Simon, Peter und ich packen uns einen Tagesrucksack und machen uns mit den Mountainbikes auf den Weg zum Rainbow Lake. Nach ca. 25 km Straße und Schotterpiste gelangen wir auf den Rainbow Trail, der uns von der Touristeninformation empfohlen wurde und den wir zurück nach Whistler fahren wollen.

Der zunächst schöne Singletrail wird schnell matschig und bald darauf ist er rein physikalisch nicht mehr befahrbar. Anfangs denken wir noch, dass wir bald wieder auf den fahrbaren Teil kommen müssen, aber stattdessen wird der Weg immer heftiger. Wäre der Weg zum wandern aufgeschrieben, sollte bereits ein Schild vor der Qualen warnen. Mit dem Rad ist es jedenfalls eine einzige Katastrophe. Die Landschaft ist eigentlich wunderschön, aber bald sind wir so gefrustet, dass wir die Touristeninformation lauthals verfluchen. Nach 15 km (!) mit dem Rad auf dem Buckel kommen wir endlich zur Rainbow Ridge, wo wir unsere Mittagspause einlegen.

Nachdem wir uns gestärkt haben, machen wir uns auf die Abfahrt auf er anderen Seite. Davon ist zunächst jedoch noch gar nicht die Rede, weitere 5 km müssen wir die Räder tragen, hier zu fahren wäre alles andere als gut - sowohl für uns als auch für die Natur.

Hier sollte Radfahren schlichtweg verboten sein! Schließlich kann man wieder fahren und rasch sind wir vom Berg abgefahren. Fast im Tal angekommen passieren wir ein Schild, dass Radfahren untersagt, na prima! Wir sind wirklich reichlich stinkig und nehmen uns vor, den Leuten in der Touri-Info mal richtig Bescheid zu sagen. Nach insgesamt 60 km sind wir am späten Nachmittag wieder in Whistler und treffen Bine wieder, deren Flug doch abgesagt wurde am Morgen. Müde schlagen wir wieder unser Lager an den Brandywine Falls auf und gehen bald darauf schlafen.

13. September 2001

Simon bringt Bine am frühen Morgen zum Busbahnhof, heute fährt der Airporter tatsächlich. Danach statten wir der Touri-Info einen Besuch ab und lassen uns versprechen, dass in der Sache etwas unternommen wird. Nach weiterem Wäschewaschen und Checken unserer E-Mails fahren wir gen Süden entlang einer wundervollen Küstenstraße.

Wir stoppen kurz an den Shannon Falls und vertreten uns die Füße. Dann geht es rasch weiter nach Vancouver, wo wir kurz einkaufen gehen und ich meine 24 Filme abgebe. Mit Wein und Käse laufen wir bei Elisabeth, einer Freundin von Simons Familie, auf, die uns herzlich bei sich aufnimmt.

14. September 2001

Nach einem kurzen Frühstück brechen wir zu Fuß auf, um die nächste Bushaltestelle zu erreichen. Mit Bus und Skyline-Trail fahren wir nach Gastown und laufen über die Donwtown-Halbinsel Vancouvers. Mit dem Lift fahren wir auf den Turm des Harbour Centers, von dem aus man einen herrlichen Ausblick auf das Häusermeer der Metropole.

Auf dem weiteren Weg entlang der Shoppingmeile kehren wir auf eine Empfehlung hin (Danke, Vroni!) im Ho-Ho ein und essen sehr leckere chinesche Gerichte für wenig Geld. Am nahen Strand der English Bay machen wir eine kleine Mittagspause und spannen einfach mal aus.

Bevor es zurückgeht gibt's für jeden noch eine riesige Tüte Eis. Am frühen Abend erklimmen wir den Habour Center ein weiteres mal, um von dort den Sonnenuntergang über Vancouver zu genießen.

15. September 2001

Am Morgen stellen wir unsere Räder bei Elisabeth unter und machen uns nochmals auf den Weg in die Innenstadt. Ein Besuch und Einkauf beim MEC darf natürlich nicht fehlen, außerdem besorgen wir zwei Fahrradkartons für den Rückflug für Peter und und Simons Rad. Zum Mittag sind wir noch mal bei Ho-Ho's und statten anschließend dem Stanley Park einen Kurzbesuch ab.

Mit dem Blick auf Vancouvers Skyline nehmen wir vorerst Abschied von der lebenslustigen Stadt und düsen Richtung Tsawassen, wo wir die Fähre nach Vancouver Island nehmen wollen....

 

 

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