24. Juli 2001

Wir verbringen den Vormittag mit Erledigungen, Einkäufen, E-Mail Schreiben und genießen die Vorzüge der Zivilisation von Whitehorse (Tim Horton, gleich zwei Stück, die einzigen in den Yukon Territories ;-)). Wir besorgen Lebensmittel für die gesamte Woche, da wir für einen 5-Tages-Kanu-Trip auf dem Yukon planen.

Am Nachmittag packen wir in einer Aufräumaktion des Vans unsere Ausrüstung und beladen die gemieteten Kanus. Der Yukon fließt hier mit einer Geschwindigkeit von etwa 10-15 km/h und so schaffen wir noch ca. 20 km bevor wir Egg Island zu unserem Nachtlager erwählen.

Dort treffen wir auf Steve und Scott, die nahe des Marsh Lakes, dem Beginn des Yukon gestartet sind (von Whitehorse ca. 40 km weiter flussaufwärts) und bis nach Dawson City wollen.

Wir bauen unsere Zelt auf und bereiten gleich etwas zu essen zu. Die Mücken hier sind zahlreich und entsprechend nervig. Mit einem Mückennetz oder etwas Chemie (95 % DEET) kann man sie zeitweise abwehren.  Trotzdem bleiben wir noch einige Zeit auf und machen es uns am Lagerfeuer gemütlich.

25. Juli 2001

Nach einem kurzen, von Mücken umschwirrten Frühstück paddeln wir weiter.

Wir befinden uns immer noch nahe an Whitehorse und so sehen wir am Ufer immer wieder Landungsstege und Pfade die zu Wochenend-Blockhütten führen. Der durchschnittliche Blockhüttenbesitzer im Yukon erreicht sein Domizil jedoch nicht mit einem schnöden Motorboot, sonder eher mit dem eigenen Wasserflugzeug...

Scott und Steve sind am Morgen schon etwas früher als wir aufgebrochen, aber wir treffen die beiden nach 20 km gegen Mittag an der Aufweitung des Yukon zum Lake Laberge wieder.

Wir legen erstmal unsere Mittagspause ein, während unsere Kollegen ihr Kanu zum Segelboot umfunktionieren. Der Lake Laberge, der sich über 60 km schlauchförmig erstreckt, ist für den Wind und die zugehörigen Wellen bekannt. Wir haben Glück und haben Rückenwind, der sich prima mit einem als Segel aufgespannten Tarp ausnutzen lässt.

Die zwei zischen mit ihrer Konstruktion ab und nachdem wir fertig gevespert haben machen auch wir uns an den Bau einer Segeleinrichtung.  Wir wollen unsere beiden Kanus zusammenbinden und ein gemeinsames Segel aufspannen, was nicht nur die Stabilität sondern auch die Gruppendynamik fördern soll ;-)) Aus der Erfahrung einiger Segelversuche (z.B. Temagami) wissen wir, dass man die Kanus nicht einfach Wand an Wand zusammenbinden sollte, da sich zwischen den Booten schnell Wasser aufstauen und in die Kanus laufen würde. So fixieren wir den Abstand der Kanus mit Holzstämmen als Querträgern und spannen das Segel unten gegen die Boote und es oben (mit zwei Paddeln als Stützen) nach hinten ab.

Das ganze funktioniert so wartungs- und arbeitsfrei, dass wir uns einfach zurücklehnen, Bücher lesen oder Tagebuch schreiben können. Ein wenig steuern mit einem Paddeln reicht völlig aus. Uns wird geradezu langweilig uns so probieren Bine und ich uns im Blöd-in-die-Kamera schauen ;-))

Am Nachmittag frischt der Wind dann sogar noch etwas auf. Die Wellen auf dem Lake Laberge können übrigens leicht bis 2 Meter hoch werden, ein Grund, sich eher in Ufernähe zu halten. Als wir nach hinten Blicken wissen wir auch, was die kleine Auffrischung verursacht. Ein netter Gewittersturm zieht hinter uns auf.

Das Wetter hält sich dennoch erstaunlich lange, erst als wir ca. 60 Tageskilometern auf einen Lagerplatz zusteuern, beginnt es, leicht zu nieseln.

Der Lagerplatz ist recht nett in einer Bucht gelegen, allerdings sind auch hier die Mücken eher nervtötend. Wir stellen die Zelte umgeben von schwarzen Mückenwolken auf und ziehen uns dann zum Kochen und Essen an den Strand zurück, wo noch ein wenig Wind die Mückenmenge begrenzt.

26. Juli 2001

Der Morgen ist Wolken verhangen und nach einem kurzen Frühstück segeln wir weiter. Heute sind der Wind stärker, die Wellen höher und es regnet den gesamten Tag. Die Wellen erreichen das Maximum, das wir gefahrlos meistern können, ab und zu schwappt schon mal etwas Wasser in die Boote. In der Ferne sehen wir immer wieder Steves und Scotts Kanu, die uns mit zwar gleicher Segelfläche aber nur einem Kanu davon segeln. Aber auch wir ziehen ohne Mühe an anderen Paddelgruppen vorbei, die immer nur neidisch in unsere Richtung schauen.

Am späten Nachmittag gelangen wir wieder auf den Yukon und lassen uns noch einige Kilometer treiben, bevor wir ans Ufer steuern und unser Lager an einem alten Holzfällercamp aus Goldgräberzeiten aufschlagen. Auf den letzten Kilometern sind uns einige Weißkopfseeadler begegnet, die hier recht zahlreich vertreten sind.

Zwei halb verfallenen Holzhütten geben uns einen Eindruck, unter welchen Bedingungen hier zwischen 1870 und 1950 Holz für die Schaufelraddampfer geschlagen wurde. Aber vor allem lernen wir hier, dass Mücken und Regen sich nicht unbedingt ausschließen, eine Erfahrung, auf die wir gerne verzichten würden. Unterwegs haben wir Steve und Scott überholt und jetzt schauen die zwei mal vorbei, um Hallo zu sagen. Wir essen lecker und setzen uns noch ein Weilchen ans Lagerfeuer, bevor wir vor den Mücken in die Zelte flüchten.

27. Juli 2001

Die Mücken haben schon ausgeschlafen, als wir uns aus den Zelte trauen. Schnell packen wir unseren Krempel und verlagern Frühstück und Morgentoilette aufs Wasser.

Den ganzen Vormittag verbringen wir damit, faul in der Sonne zu liegen und uns den Yukon hinab treiben zu lassen.

Ein wenig paddeln sollte man aber schon können, sonst kollidiert man einfach zu oft mit tückischen Hindernissen oder muss sich über Bäume ärgern, die dreist ihre Äste auf vorüber fahrende Kanus werfen ;-))

Bei Kilometer 137 unserer Tour erreichen wir Hootaliqua Island, eine Insel die zugleich Schiffsfriedhof ist.

Was einst zur Wartung und Überwinterung von Schaufelradampfern errichtet wurde ist seit langem außer Betrieb, der Steamer "Evelyn" liegt seit Anfang der 30er Jahre hier. Er sollte nur überwintern, aber im darauf folgenden Jahr kam niemand mehr zurück, die Goldgräber und Siedler hatten die unwirtliche Gegend verlassen.

Die kleine Bucht ist schön warm, mit weichem Sand und vor allem ohne Mücken und so lassen wir uns zu einem Bad im Yukon hinreißen, der gar nicht so warm ist, wir man sowieso nicht erwarten würde ;-))

Als wir für eine Kaffeepause am "Big Eddy Woodcamp" anlegen, um unsere Zelte zu trocknen, scheint immer noch die Sonne. Es gefällt uns hier ziemlich gut und kurzerhand entschließen wir uns, hier zu übernachten.

Den Nachmittag über lesen wir, angeln, hacken Holz, kochen und backen frische Kekse. Am Abend können wir dann einen Sonnenuntergang mit relativ wenig Mücken genießen.

28. Juli 2001

Der Morgen empfängt uns mit einem kurzen Regen, wenig später lacht die Sonne jedoch wieder. Den gesamten Tag lassen wir uns nur treiben, Brotzeit wird an Bord abgehalten.

Wir halten nur kurz an einer "Historic Site", die die Überreste eines Baggers zeigt, der zu Goldgräberzeiten Kies aus dem Flussbett an Land beförderte.

 Am Abend erreichen wir das "Little Salmon Village" das einen alten Indianerfriedhof und einige baufällige, jedoch noch bewohnte Hütten aufweist. Der Ort ist wenig einladend und so lassen wir uns noch ca. 100 m den Fluss hinunter treiben, wo wir eine geeignete Lagerstelle finden.

Nachdem wir die Zelte aufgebaut und das Tarp as Regendach gespannt haben gibt ein leckeres Abendessen. Heute gibt es zur Feier des Tages einen Zitronenkuchen, diesmal ohne Backen (die Chemie macht's möglich); Onkel Simon lädt zur Backstunde...

Wieder mal von Mückenschwärmen vergrault ziehen wir uns bald in die Zelte zurück.

29. Juli 2001

Heute paddeln wir die letzten 30 km, während der wir noch zahlreiche Weißkopfseeadler aus nächster Nähe beobachten können. Gegen 15 Uhr erreichen wir den "Coal Mine Campground", den verabredeten Abgabeplatz für die Kanus. Wir sind nach insgesamt 320 km auf dem Yukon damit in Carmacks gelandet, von wo aus eine direkte Straßenverbindung nach Whitehorse besteht, die auch nur ca. 180 km lang ist.

Nach einer Dusche stelle ich mich an die Straße und werde nach ca. 1 Stunde tatsächlich von einem netten Ehepaar aus Michigan in ihrem Wohnmobil mitgenommen. Zwei Stunden später hole ich in Whitehorse unseren Van ab, erledige noch einige Einkäufe und treffe dann Mary und ihren Freund Glyn. Wir gehen zu Bostons Pizza  und verbringen einen netten Abend zusammen. Wir fassen einen gemeinsamen Mountainbike-Trip ins Auge, wenn wir nach etwa 2-3 Wochen wieder aus Alaska zurückkommen. Am späten Abend fahre ich wieder nach Carmacks zurück und kann dabei einen beeindruckenden Sonnenuntergang beobachten. Außerdem passiere ich ein Waldbrandgebiet, das mindestens 30 km mal 30 km groß ist und keinen groß zu stören scheint.

30. Juli 2001

Am Morgen brechen wir früh auf und fahren vorbei an den "5-Finger-Rapids" des Yukon gen Dawson City.

Unterwegs halten wir an einem Bäckerei, die mit europäischen Brot wirbt.

Wenig später futtern wir frisches Brot mit Butter, das erste seit da. 1 Jahr! Die Bäckerei ist natürlich Anlaufstelle für viele Europäer, wie zum Beispiel das Ehepaar aus Holland, das für ihren 5-Monats-Trip ihr eigenes, Sprit sparendes Wohnmobil mitgebracht hat.

Wenig später fahren wir nach Dawson City ein und erkunden die Goldgräberstadt. Es gibt keine asphaltierten Straßen, sondern nur Lehmpisten. Die "Bürgersteige" sind Holzbohlenwege, zur Überquerung der Straße zieht man besser Wanderschuhe an ;-)) Sabine und ich wollen uns unsere Rückflugtickets abholen, die hier postlagernd vor gut drei Wochen angekommen sein sollten. Leider sind diese noch immer nicht eingetroffen und das, obwohl sie per UPS per extrateurem Express verschickt worden waren. Na ja, denken wir uns, dann gehen wir eben noch mal auf Tour, um den nahen Tombstone Territorial Park zu erkunden.

Nach ca. 80 km Schotterpiste auf dem Dempster "Highway" schlagen wir am Abend auf dem offiziellen Campingplatz des Parks unser Lager auf und genießen einen fast mückenlosen Abend.

31. Juli 2001

Nach einem kurzen Frühstück packen wir unseren Krempel und fahren zum Trailhead des Grizzly Lake Hiking Trails. Der Park ist noch sehr jung, nur sehr wenige Trails sind bisher fest angelegt, es gibt nur Routenvorschläge, man sollte auf keine Wegmarkierungen hoffen.

Es regnet leicht und ist frisch als wir auf dem schwierigen Weg loslaufen. Der Pfad verläuft zunächst durch dichten Wald, später klettert er über die Baumgrenze und wir haben einen fantastischen Blick über die Gegend.

Es ist nicht leicht, dem Trail zu folgen, da man auf die ausgetretenen Stellen achten muss, was leider auf Felsbrocken recht schwierig ist. So verpassen wir den richtigen Abzweig und merken es erst, als wir schon über einige Geröllpisten hinweggeklettert sind. Das Wetter drückt auf die Laune und auch aus Gründen der Sicherheit brechen wir die Tour ab.

Auf dem Rückweg futtern wir dann die mitgebrachten Keksvorräte auf und die Stimmung steigt augenblicklich ;-))

Auf dem Rückweg müssen wir durch den regennassen Wald marschieren und werden dabei komplett durchweicht. Wieder am Van ziehen wir uns um und hocken uns dann in den gemütlich warmen Van.

Am Abend erreichen wir wieder Dawson City, waschen unsere Wäsche und bekommen unsere Tickets leider noch immer nicht.

Schließlich nehmen wir die Fähre über den Yukon und schlagen etwas außerhalb der Stadt unser Lager auf einem staatlichen  Campground auf. Wir haben einen Nachsendeadresse bei der Post hinterlassen, an die die Tickets geschickt werden sollen und beschließen, am nächsten Tag auf den Top-of-the-World-Highway nach Alaska aufzubrechen.

 

 

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