Freitag
Wir starten um 1:00 Uhr in der Frühe und fahren mit unserem Minivan gen Norden. Mit von der Partie sind diesmal Randy, Sabine, Sylvia und ich. Bis Sudbury, wo wir Robert, Veronika und Ann auflesen, sind es 450 km, aber in der Nacht herrscht kein Verkehr und so ereichen wir die Stadt um sechs Uhr. Wir stellen halten irgendwo am Straßenrand und schlafen erstmal noch eine Stunde.
Um sieben Uhr schlagen wir dann in Robs Apartment auf und nachdem wir alle nebst Gepäck eingeladen haben düsen wir die 40 km zurück zur Abzweigung in den Park. Von hier aus sind es dann noch mal 60 km bis zum George Lake, an dem sich das Park Office befindet, in dem wir die Plätze für unsere Nachtlager wählen müssen. Für die erste Nacht entscheiden wir uns für den ersten Platz (H1), der direkt am Lumsden Lake liegt.
Wir wollen bis dorthin mit unserem Gepäck, dann von dort aus ohne Gepäck weiterwandern. Der Trail (das Westende des La Cloche Silhouette Trails), der direkt am George Lake Campground beginnt, verläuft auf den ersten Kilometern durch grünen Mischwald, ab und zu ist er mit Holzbohlen befestigt, die einen über die zahlreichen Schlammlöcher helfen.
Nach ca. 3 km zweigt ein kleiner Pfad von dem Trail ab, auf dem wir den Lumsden Lake und dann auch unseren Campground um 10:00 Uhr erreichen.
Nachdem wir die Zelte errichtet haben genießen wir erstmal unser Frühstück auf den in Morgensonne getauchte Felsen.
Bald darauf brechen wir mit leichtem Gepäck - vorwiegend Futteralien - auf, um dem Haupttrail weiter gen Norden zu folgen. Nach 2 weiteren Kilometern erreichen wir eine Lichtung, die ganz mit Gras und alten Baumstümpfen übersät ist.
Einige hundert Meter weiter entdecken wir den Biberdamm, der vor einiger Zeit zur Überflutung der Lichtung geführt hatte. Nach und nach ist der damals entstandene See dann verlandet und so bildet dieser heute die Graslandschaft mit den durch den veränderten Wasserstand abgestorbenen Bäumen. Wir überqueren das Flüsschen, das eine kleine Schlucht ausgebildet hat, um uns auf den Weg zum Acid Lake zu machen.
Der Name sagt es schon, einige Seen haben das Problem der Übersäuerung, das hauptsächlich dem sauren Regen zuzuschreiben ist. Seit den 60er bzw. 70er Jahren wird dieses Problem beobachtet und seit kurzer Zeit scheinen die meisten Seen sich wieder zu regenerieren. Dennoch, in vielen Seen liegt der pH-Wert noch unterhalb 5,5, eine kritische Grenze für die Forellenreproduktion.
Wir laufen noch einige Kilometer, bis wir auf einem Hügel anhalten, um Brotzeit zu halten. Wir hauen uns den Magen mit Sandwichs voll, gefolgt von einem Nußmix als Dessert.
Schließlich sind wir so vollgefressen, dass eine augenblicklicher Fressnarkose einsetzt aus der wir erst eine Stunde später erwachen. Nach einer halben Stunden Marsch machen wir kehrt, um noch ein wenig Sonnenschein am Lumsden Lake zu haben. Als wir den See erreichen, können wir einen Otter beobachten der ab und zu auftaucht, herumpaddelt und dann wieder abtaucht.
Wir beschließen, es ihm gleich zu tun und hüpfen in den See. Nachdem wir so unseren Kreislauf angekurbelt haben machen wir uns daran, das Essen zuzubereiten. Es gibt mal wieder Nudeln mit Tomatensoße.
Der Sonnenuntergang taucht unseren Platz in ein unwirkliches Licht. Nachdem es dann richtig dunkel geworden ist sitzen wir ums Lagerfeuer, rösten Marshmallows, trinken Kahlua und Wein auf Roberts Wohl, der heute Geburtstag hat und quatschen bis spät in die Nacht. Die Nacht ist zu schön, und so schlafen Randy, Sabine und ich wieder mal im Freien. Irgendwann in der Nacht werde ich geweckt, Sabine und Randy verziehen sich ins Zelt, es hat angefangen zu regnen. Ich bin viel zu müde und der Biwaksack muss ja auch für irgendwas gut sein....
Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und nach einigen Päckchen Oatmeal (Haferflocken) mit frischen Äpfeln und Bananen und einer heißen Schokolade machen wir uns auf den Rückweg zum Auto.
Heute wollen wir mit den vom Outers Club gemieteten Kajaks eine Tour machen und den George Lake hinaufpaddeln. Wir haben leider nur sechs Kajaks eingepackt und so müssen wir erst noch ein Kajak von einem nahe gelegenen Outfitter abholen, ehe wir starten können. Randy hat gewisse Probleme, er paddelt bestimmt das 3-4fache der eigentlichen Strecke. Aber er gibt nicht auf uns so erreichen wir eine kleine Insel im George Lake, auf der wir den Mittag verbringen.
Wir sitzen lange in der Sonne, essen unsere Sandwichs und quatschen über dies und das. Schließlich brechen wir wieder auf. es ist windig und etwas kühler geworden.
Wir teilen uns auf: während Sylvia, Ann, Rob und Vroni zum Auto zurückkehren paddeln Sabine, Randy und ich noch ein Stück weiter den See hinauf. Als wir an eine Portage kommen wollen wir eigentlich weiter, aber ich stelle mich reichlich dusselig an und falle beim Aussteigen ins Wasser.
Damit ist die Weiterfahrt gestorben, im Wind ist es in nassen Sachen schweinekalt und die anderen haben meinen Sack mit Wechselklamotten dummerweise mit zum Auto zurückgenommen.
Damit wir doch noch etwas davon haben machen wir noch einen kurzen aber kalten Abstecher (Sabine kann nie genug bekommen) zum Sheguiandah Lake, an dem - wie sich später herausstellt - unser nächster Campground liegt.
Am späten Nachmittag - die untergehende Sonne spiegelt sich im George Lake - kommen auch wir zum Auto zurück, laden die Kajaks wieder aufs Dach und wandern mit unserem Gepäck zum Lagerplatz H53, eben am Sheguiandah Lake.
Der Weg dorthin ist das andere Ende des La Cloche Silhouette Trails, der sich 100 Kilometer um den George Lake (und zig weitere Seen) windet. Er unterscheidet sich aber deutlich von dem Stück des Westendes, auf dem wir noch am Morgen gewandert sind. Große Felsbrocken sind zu erklimmen, steile Kletterpartien auf glattem Gestein machen das Wandern zum Abenteuer. Wir erreichen den Zeltplatz bei Anbruch der Dunkelheit und machen uns gleich daran, Reis mit Gemüsesoße zuzubereiten.
Es wird schnell dunkel und so sitzen wir bald am Lagerfeuer, über uns ein traumhafter Sternenhimmel.
Wir sind alle reichlich geschafft und so legen wir uns bald schlafen. Der Sternenhimmel...ihr wisst schon....Randy , Sabine und ich schlafen wieder draußen, diesmal ungestört bis in den Morgen.
Wir stehen auf und entdecken, dass wir nicht die einzigen am See sind: eine Otterfamilie tummelt sich im Wasser. (Für alle Adleraugen: die zwei kleinen Punkte auf der Wasseroberfläche.......)
Nach dem Frühstück wandern wir wieder zum Auto zurück.
Für diesen herrlichen Tag haben wir uns vorgenommen, Ontarios höchste Erhebung (Berg will ich nicht sagen), den Silver Peak mit 539 Metern zu bezwingen.
(* o.k., mittlerweile haben wir herausgefunden, dass es doch tatsächlich noch höhere "Erhebungen" in Ontario gibt, aber viel höher sind die auch nicht ;-))
Dazu muss man allerdings erst mit dem Kajak oder Kanu bis zu einer Portage paddeln, von der aus sich ein Trail den Hügel hinaufschlängelt. Vroni, Ann und Rob haben genug vom Kajakfahren und so mieten wir ein Kanu für diesen Tag. Es liegt glücklicherweise genau dort, wo wir es brauchen, nämlich am Bell Lake Access Point, der nur über eine Schotterstraße erreichbar ist. Nach einigen staubigen Kilometern können wir schließlich starten und so machen wir uns hoch motiviert auf die Strecke. Leider paddeln wir erstmal in die falsche Richtung, keiner hat einen Blick auf die Karte geworfen, schön blöd.
Aber der Weg ist das Ziel und so kommen wir tatsächlich zu der besagten Portage.
Wir laufen einige hundert Meter auf dem Trail, dann halten wir für unsere Brotzeit an einem sonnenüberfluteten Stelle direkt am Clearsilver Lake.
Ann beschließt, uns den anstrengenden Rest alleine machen zu lassen und lieber ein wenig länger in der Sonne zu sitzen. Wir brechen auf, voller frischer Energie. Für einige Zeit verläuft dann der Weg auf dem La Cloche Silhouette Trail bis schließlich eine Abzweigung zum Gipfel weist. Von hier aus geht es mehr oder weniger steil zum Silver Peak hinauf. Ab und zu wird der Trail von kleinen Bächen gekreuzt, der nasse Fels ist mal wieder schön rutschig. Aber nach eineinhalb Stunden ist es geschafft. Wir stehen auf dem Gipfel bzw. versuchen zu stehen, denn es bläst ein enorm starker Wind.
Wir haben etwas heißen Tee dabei, der uns jetzt verdientermaßen aufwärmt. Der Blick über die weit unterhalb von uns liegende Seenlandschaft ist grandios, wenn auch durch Dunst getrübt.
Dennoch - es hat sich absolut gelohnt.
Wir machen uns auf den Rückweg und treffen Ann bei den Kajaks wieder. Der Weg zurück zum Bell Lake Access Point liegt noch größtenteils in der Sonne, die gerade dabei ist, sich zu verabschieden.
Als wir den Wagen erreichen wird es schon langsam dunkel. Wir beladen den Wagen und zum Abschluss gibt es noch Cream of Wheat (Grießbrei) mit Sauerkirschen und Apfelmus. Erschöpft aber hochzufrieden machen wir uns auf den Weg nach Sudbury, wo wir Ann, Vroni und Rob später wieder absetzen. Nach einiger Zeit in Robs Apartment brechen wir gen Waterloo auf, wo wir mitten in der Nacht, aber wohlbehalten ankommen.