Dienstag, 1. Mai 2001

Der Tag beginnt frühmorgens im Labor, wo ein Haufen Arbeit auf mich wartet. Ich habe heute fünfeinhalb Stunden, um mein heutiges Tagespensum zu erledigen. Um 13 Uhr ist es dann geschafft, jetzt muss ich nur noch zurück zu meinem Apartment, dann kann's auch schon losgehen. Dort angekommen treffe ich Sabine, die noch wild am packen ist. Einige Stunden später aber immer noch rechtzeitig kommen wir schließlich los. Wir lesen noch Peter auf, dann geht's zum Flughafen nach Toronto, wo wir wenig später Sabines Mutter Christl auflesen. Nach einem herzlichen "Hallo" düsen wir ohne Umwege nach Norden. Wir holen Rob in Sudbury ab und genehmigen uns dort noch eine Pizza, bevor dann spät am Abend Richtung Killarney Provincial Park fahren. Am George Lake angekommen stellen wir rasch ein Zelt auf und legen uns darin bzw. im Biwaksack schlafen. Kurz vor dem Einschlafen bricht irgendwo in der Nähe eine Kampf aus, in dem mindestens ein Eichhörnchen verwickelt ist. Das Gekreische ist weithin vernehmbar....

Mittwoch, 2. Mai 2001

Früh am Morgen wachen wir auf und genehmigen uns erstmal ein leckeres Frühstück. Sabine bricht mit der Tradition, Oatmeal mit frischen Früchten zu essen, da sie sich im Zuge des Verbrauchs der verbleibenden Nahrungsmitteln in den CLTs kurz vor Auszug daran übergessen hat. Mir schmeckt's aber immer noch und auch die anderen sehen das so...;-))

Wie auch immer, während Rob die nötige Camping-Erlaubnis im Park Office besorgt fahren wir ca. 10km Richtung des Ortes Killarney um dort bei einem Outfitter Paddel, Schwimmwesten und Wurfsäcke zu besorgen. Die Kanus liegen bereits am George Lake und wir erhalten den Schlüssel, um diese aus dem Ständer zu entnehmen.

Um 10 Uhr ist es dann soweit, die Kanus werden bepackt und wir paddeln los. Zunächst geht es auf dem George Lake gen Nordosten. Der See ist unglaublich ruhig, Windstille sorgt für eine völlig glatte Wasseroberfläche. Unsere Kanus sind die einzigen "Ruhestörer" in dieser sonst so harmonischen Landschaft.

Wir passieren die kleine Insel, auf der wir bei unserem ersten Killarney-Aufenthalt ein Picknick eingelegt hatten, und gelangen schließlich zu der Passage, die wir uns damals nur angeschaut, aber nicht passiert haben.

Wir müssen die Kanus ca. 50m tragen, um auf den Freeland Lake zu kommen, der uns weiter nordöstlich bringt. Nur wenige 100m weiter gelangen wir zum Ende des See, der normalerweise nur über eine Portage mit dem nächsten See verbunden ist. Aber der Schnee im Park ist gerade erst abgetaut und der Wasserspiegel dementsprechend hoch, so dass wir den schmalen Kakakise Creek, der zum Kakakise Lake führt, zwar nicht bepaddeln, aber zumindest durchstaken können. Zumindest das erste Stück. Dann folgen einige Bieberdämme, die gemeistert werden wollen.

Als wir weiterpaddeln lässt sich Sonne endlich blicken und wenig später brennt sie auf uns herab.

Umso unwirklicher erscheinen uns deshalb die großen Eisbrocken, die immer noch manche Wasserfälle im Park bedecken. Am nordöstlichen Ende des Sees gelangen wir zur 1,5 km langen Portage, die wir schon einmal auf unserer letzten Killarney-Paddeltour genommen haben. Auch diesmal wollen wir nur einmal laufen und so schultern wir unsere Rucksäcke und die Kanus noch dazu.

1500m können sich ganz schön ziehen, besonders, wenn der Pfad recht hügelig ist. Am anderen Ende der Portage, am Norway Lake, machen wir erstmal eine wohlverdiente Mittagspause.

Frisch und ausgeruht machen wir uns eine Stunde später wieder auf, um endlich zu unserem angepeilten Campingplatz zu gelangen. Auf dem Weg dorthin begegnet uns eines der vielen "wilden" Tiere ;-))

Übernachtungstechnisch haben wir uns für die Insel entschieden, auf der damals im Herbst die Outers Club Gruppe campiert hatte und die uns schon damals so gut gefiel.

Diesmal treffen wir keinen an und haben die Insel für uns allein.

Die Zelte sind schnell aufgebaut und so paddeln wir noch mal kurz ans gegenüberliegende Ufer, um Feuerholz zu besorgen. Wie für uns gemacht stehen dort zwei abgestorbene Bäume, die uns rasch gutes Feuerholz liefern.

Zurück auf der Insel gibt's erstmal etwas zu trinken und das Feuer wird vorbereitet. Dann ziehen wir noch mal los, um auf einen der umliegenden Hügel zu kraxeln, von dem aus man eine atemberaubende Aussicht genießen kann.

Müde und hungrig von unserem Kletterausflug machen wir uns auf den Rückweg und wenig später sitzen wir um den Kocher und bereiten Pasta mit Gemüse zu. Das Bad im See, das ich kurz vorher genommen habe, war recht erfrischend, um nicht zu sagen abtötend kalt. Als das Essen fertig ist hauen wir ordentlich rein und wie immer ist mehr als genug da. Als wir noch beim Essen sitzen ziehen dunkle Wolken auf und kurze Zeit später fallen die ersten Regentropfen. Glücklicherweise bleibt es bei wenigen Tropfen, so dass einem Abend am Lagerfeuer nichts entgegensteht. Zur Feier des Tages gibt es dann auch Smors, Chocolate Chip gespickte Marshmellows, die nach dem rösten über dem Feuer zwischen zwei Kräcker gequetscht werden.

Wir sind alle reichlich müde und hauen uns bald in die Falle.

Donnerstag, 3. Mai 2001

Ich wache so gegen 6 Uhr auf, als Regentropfen auf meinen Biwaksack trommeln. Aber wir haben wieder Glück und der Regen hält nicht lange an.

Die Sonne steht noch recht niedrig über dem Norway Lake und taucht diesen in ein bezauberndes Licht. Alle anderen schlafen noch und auch ich lege mich noch mal hin. Schließlich ist der Ausflug auch zur Erholung gedacht ;-))

Gegen 8 Uhr sind schließlich alle wach und nach dem Frühstück packen wir alles ein und bald darauf sitzen wir wieder im Kanu. Allerdings nur für ca. 100m, dann steht die nächste Portage an. Auch hier kann man sich die meiste Tragearbeit sparen und auf einem kleinen Pfad zu einem noch winzigeren Bach gelangen, der aber ausreichend für unsere Kanus ist. Wir kennen den Teil schon vom letzten mal, diesmal schaffen wir es zu dem kleinen Bach sogar ohne unsere Wanderstiefel zu durchnässen. Allerdings haben wir diesmal mit Schwierigkeiten anderer Art zu kämpfen. Das Hochwasser nach der Schneeschmelze hat für ordentlich viel Treibholz gesorgt, das unseren Weg mehrmals blockiert. Aussteigen und Kanu hinüber heben ist meist die Abhilfe der Wahl.

Schließlich sind wir bald aus dem gröbsten raus am westlichen Ende des Creeks gelangen wir auf den Killarney Lake. Die folgenden zwei Stunden paddeln wir den See hinunter, passieren den Campingplatz der letzten Paddeltour und nehmen diesmal allerdings die Abkürzung zurück zum Freeland Lake.

Auch hier wollen wir ganz schlau die Portage meiden und hieven unsere Boote einen Wasserfall hinunter. Doch hinter der nächsten Kurve kündigt sich rauschend das Ende dieser Abkürzung an. Eine Wasserrutsche auf glattem Fels macht die Weiterfahrt unmöglich uns so queren wir zum eigentlichen Portage-Pfad. Es sind auch nur ca. 400m bis wir wieder auf den Freeland Lake gelangen. Um die Kanadier hier zu Wasser zu lassen müssen wir durch 20 cm Morast waten, das heißt zumindest diejenigen, die sich nicht bequem im Kanu darüber weg ziehen lassen ;-))

Als wir wieder zurück zu der ersten 50m-Portage gelangen beschließen wir, da wir noch massig Zeit haben, eine ausgedehnte Rast einzulegen. Eine zweite Mittagspause, da wir ein Stunde zuvor - im Regen - bereits eine Pause eingelegt hatten. Dafür legen wir uns jetzt hin und nehmen ein wärmendes Sonnenbad und relaxen so richtig.

Gegen 3 Uhr brechen wir schließlich wieder auf und paddeln den George Lake bis zum Campingplatz zurück.

Wenig später ist alles eingeladen und nachdem wir die Paddel und Schwimmwesten wieder abgegeben haben geht's zurück nach Sudbury, wo wir uns ein weiteres mal eine Pizza reinfahren, diesmal bei Pizza-Hut - mal wieder stinkig und fertig ;-))

Wir setzten Rob in seiner neuen Bleibe ab und Peter und ich werden in Parry Sound abgesetzt, da Sabine und Christl in den Algonquin Park weiterreisen. Als ich gegen 1 Uhr nachts mit Peter in Waterloo ankomme sind es immer noch 21ºC, eine schöne Nacht für einen Spaziergang zu meinem Apartment. Wir haben mal wieder ein sagenhaftes Wochenende in Killarney verlebt, Abenteuer bestanden und Natur genossen. Vielleicht bietet sich ja auch während der weiteren Studienarbeit noch mal die Möglichkeit, einen solchen Trip zu unternehmen. Irgendwie bin ich mir ziemlich sicher...;-))

 

Home - Alte HomepageHome - www.thomas-prade.de