Donnerstag

Einmal mehr fahren Sabine und ich gen Norden. Diesmal starten wir bereits am Donnerstag am frühen Nachmittag, um rechtzeitig zum Essen in Sudbury zu sein ;-) Wir haben den großen Van zur Verfügung und zuerst denke ich, dass auch der kleine Wagen gereicht hätte.

Wie auch immer, wir nehmen die uns mittlerweile so vertraute Route über Elmira, Alma, Arthur und Orangeville, um wenig südlich von Barrie auf den Highway 400 zu gelangen. Kurz nach dem Abzweig des Highway 11, der Richtung Algonquin Park führt, geraten wir in einen Schneesturm mit nur wenigen Metern Sicht. Schnell sind die Straßen mit einer Schneedecke überzogen, der Verkehr fließt langsam aber sicher weiter. Nur die schweren Trucks können es sich leisten auf der verschneiten Überholspur zu fahren....

Irgendwann hört es auf zu schneien, die Räumdienste sind bereits mit ihrer Arbeit fertig, als wir weiter gen Norden kommen. So erreichen wir Robs Apartment in Sudbury am frühen Abend, gerade rechtzeitig, um Burritos und süße Kartoffeln serviert zu bekommen. Wir quatschen den lieben langen Abend und schauen Blues Brothers. (Ist schon ne lange Zeit her, dass ich den gesehen habe.)

Freitag

Wir schlafen aus und genehmigen uns ein Schlemmerfrühstück mit Speck und Ei, Müslibuns mit Nutella, Greyzer Käse, Knackwürstchen und echtem deutschem Brot vom Farmers Market in St. Jacobs.

Irgendwann am Mittag schaffen wir es, unseren Krempel in den Van zu Packen. Jetzt bin ich doch recht froh, den großen Wagen zu haben, im kleinen LeBaron wär's brechend voll geworden...

Obwohl wir schon vom Outers Club Schneeschuhe - die klassischen aus Holz - gemietet haben, leihen wir uns an der Uni von Sudbury moderne, Aluminiumrahmen-getragene Schuhe, die auch für schwierigen Untergrund wie Felsen und Wurzeln geeignet sind. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellt.

Es braucht leider alles seine Zeit und so kommen wir reichlich spät in Sudbury los. Wir folgen dem Trans-Kanada-Highway 17 nach Sault Ste. Marie westwärts und von dort geht es weiter nordwärts, das letzte Stück entlang der Küste des Lake Superiors. Entlang der Streck nimmt der Schnee immer mehr ab, stellenweise ist nur ein Hauch Weiß zu sehen und wir befürchten schon das schlimmste - eine Schneeschuhwanderung ohne Schnee. Aber die Schneedecke nimmt wieder an Stärke zu, wir sind erleichtert.

Ein fantastischer Sonnenuntergang begleitet uns am Lake Superior, eine schöne Einstimmung auf die Natur und Wildnis, die uns erwartet. Wir müssen noch fast den gesamten Park durchqueren bis wir schließlich den Campingplatz erreichen, der uns als Lager dienen soll. Jetzt im Winter ist alles geschlossen, aber kann das Gelände dennoch nutzen.

Wir lassen den Wagen am Eingang zurück (bei den 50 cm Schnee würden wir auch nicht weit kommen ;-)) und machen und schwer bepackt und mit Schneeschuhen, Wanderstöcken und Gamaschen versehen auf, um einen knappen Kilometer zu einem Lagerplatz zu laufen - was ohne Schneeschuhe ein extrem mühsames Unterfangen wäre. Wir wählen einen Platz, der windgeschützt aussieht und wie alles übrige hier mit einer dicken Schneeschicht überzogen ist. Im Schein der Taschenlampen schaufelt Vroni Platz für unsere beiden Zelte, während Rob, Sabine und ich uns um Feuerholz, Feuerstelle und Essen kümmern. Die Feuerholzsuche ist gar nicht so einfach, im Winter ist es eben schwer, einen lebendigen von einem toten Baum zu unterscheiden. Tief im Unterholz finden wir schließlich ausreichend Brennmaterial und wenig später können wir uns ans Feuer setzen. Nicht, dass wir uns aufwärmen müssten, es ist nicht besonders kalt und nach das Aufbauen der Zelte, Holzhacken und -sägen haben uns ohnehin schon eingeheizt.

Über uns erstreckt sich ein Sternenhimmel, der - soweit wie im Norden sind - von keiner künstlichen Lichtquelle beeinträchtigt wird. Es ist eine ideale Zeit, Neumond, leider sehen wir jedoch keine oder nur recht schwache Nordlichter, aber Sternschnuppen gehen haufenweise nieder, ein wahres Feuerwerk vor dem strahlend hellen Band der Milchstraße.

Nachdem wir einen riesigen Topf Gemüsereis gekocht haben, der uns noch am nächsten Tag als Abendessen dienen wird, bleiben wir noch einige Zeit am Feuer sitzen, bevor wir uns schlafen legen.

Samstag

Keiner von uns fühlt sich dazu berufen am Morgen Stress zu machen und so schlafen wir aus, man muss ja auch mal das Defizit abbauen, das sich während der Woche ansammelt.

Diesmal gibt's die richtigen Haferflocken zum Frühstück, selbst in Milch gekocht und mit Äpfeln und Bananen gemischt. Dazu die übliche Tasse heiße Schokolade, wie immer ein Festmahl.

Bei einem Rundgang um das Lager entdecke ich frische Elchspuren keine 10 Meter von unserem Lager. Die gewaltigen Hufabdrücke sind imposant, dennoch bedauere ich es, dass wir das Tier nicht zu Gesicht bekommen haben. Es ist schon spät am Vormittag, als wir uns endlich auf den Weg machen. Der Plan ist, heute mit Picknick-Gepäck einen Rundweg zu laufen, der uns zu einigen sagenhaften Ausblicken führen soll.

Die ersten Meter laufen wir noch auf dem breiten Weg des Campingplatzes und ziehen eine Spur der "Verwüstung" hinter uns her. Vier Paar Schneeschuhe lassen den Weg aussehen, als ob eine 20 Mann starke Gruppe hier durchgerannt wäre.

Der Peat Mountain Trail ist ein kleiner Pfad, der sich durch entlaubte Wälder zieht, dabei mal flach und als Weg verläuft, mal sich steil über felsigen Untergrund schlängelt.

Oft sind wir froh, gute Schneeschuhe mit Spikes und Krallen zu haben, eine enorme Erleichterung auf dem zum Teil anspruchsvollen Trail. Schnell ist der erste Aussichtspunkt erklommen, eine weitläufige, verschneite und von vereinzelten Seen durchzogene Landschaft liegt uns zu Füßen. Direkt unter uns liegt der Peat Lake, der (Peat = Torf) langsam verlandet.

Wir passieren zwei weitere Aussichtspunkt, immer wieder sind wir fasziniert von der Wildheit der Gegend. An einer Wegkreuzung entschließen wir uns, einen weitere Schleife anzuschließen, die uns zum Foam Lake bringt.

Dieser See erhielt seinen Namen (Foam = Schaum) von dem Schaum, der aufgeschlagen wird, wenn starke Winde die Oberfläche aufwühlen und die im Wasser durch den Abbau von Blättern und anderen Pflanzenteilen angereicherten organischen Säuren zu Schaumlammellen komplexieren. Aber wen interessiert das, wenn man hoch über dem See sitzt und bei einer Brotzeit die Aussicht genießt.

Wir mampfen den genialen Greyzer Käse und die leckeren Knackwürstchen mit frischem, festem Brot und sind mal wieder überwältigt. Wir sitzen einige Zeit dort in der Sonne und spannen mal richtig aus. Mittlerweile ist es schon Nachmittag und wir beschließen uns auf den Rückweg zu machen, um noch bei Tageslicht zum Lager zurückzukehren.

Wir steigen bis auf die Wasserlinie hinunter zum Foam Lake und setzen dann den Rundweg fort. An einer Stelle "versperrt" uns ein großer Baumstamm den Weg, wir haben unsere Mühe, den Baum zu passieren und normal weiterzulaufen ;-))

Anscheinend ist die Wanderung für einige von uns nicht auslastend, und wie kann man sich besser verausgaben als durch eine Rauferei im Schnee.

Als wir endlich - sogar tatsächlich noch im Tageslicht - unsere Lager wieder erreichen ist schnell ein Feuer gemacht. Wir essen aufgewärmten und angebrannten Gemüsereis und trocknen anschließend unsere nassen Socken und Füße am Feuer.

Die Nacht ist nicht mehr so sternenklar wie die vorige und obwohl es teils bedeckt und damit wärmer ist, ist es auch deutlich feuchter, eine klamme Kälte, die alles zu durchdringen vermag. Obwohl wir heute nur wenige Kilometer gelaufen sind, sind wir doch recht erledigt. Auch wenn man die Schneeschuhe kaum an den Füßen spürt, so ist der Trainingseffekt bei einer Tour mit ihnen nicht zu unterschätzen. Dennoch - wir bleiben noch lange am Feuer sitzen und verheizen unser üppiges Brennmaterial in einem wahren Freudenfeuer.

Sonntag

Am nächsten Morgen kommen wir wieder nicht so recht aus den Schlafsäcken, keiner will in die Kälte, die eigentlich gar nicht so schlimm ist. Irgendwann klappt es dann doch und nach einem Oatmeal-Frühstück am neu entfachten Lagerfeuer brechen wir das Lager ab.

Wir packen unseren Krempel ins Auto und fahren einige Kilometer zurück auf dem Highway bis wir zum Rabbit Blanket Trail gelangen. Wir fahren einige Meter in den schneeverwehten Seitenweg hinein und machen uns dann auf einen kurzen Rundweg um den Rabbit Blanket Lake.

Nach wenigen Metern auf dem weiterführenden Zufahrtsweg entdecken wir Spuren von Wölfen, allerdings schon mindestens einen Tag alt. Aber entlang des folgenden Trails entdecken wir immer wieder neue tierische Spuren, zum Beispiel den von einem Biber gefällten Baum.

Auf dem Rundweg liegt recht wenig Schnee, nicht gut für die Schneeschuhe, wenn man damit ständig über nackten Fels marschiert. Der Trail scheint mehr für die breite Masse der Parkbesucher zu sein, alle naselang führt ein hölzerner Steg auf die zugefrorene Wasseroberfläche, ein guter Fleck für eine kurze Pause, einen Snack und ein erholendes Sonnenbad.

Der zugefrorene See ist schnell umrundet und wenig später befinden wir uns schon wieder auf dem Trans-Kanada-Highway 17.

Wir machen noch einmal kurz am Lake Superior Stopp, um die Aussicht auf diese enormen Wasserfläche zu genießen.

Auf dem Rückweg nimmt der Himmel eine unglaublich Abendstimmung an...

Wir erreichen Sudbury spät am Abend, aber wir raffen uns dennoch auf, um noch eine Nudel-Fleisch -Gemüse-Pfanne zuzubereiten.

Wir lassen den Abend bei einem Glas Wein ausklingen und legen uns dann müde von der vielen frischen Luft an diesem Tag schlafen.

Montag

Wir lassen uns natürlich kein Schlemmer-Frühstück entgehen und fahren anschließend in die Uni, um dort die Schneeschuhe zurückzugeben. Wir setzen Rob an seinem Institut ab, er hat muss mal wieder etwas tun, während Sabine, Vroni und ich noch dem IMAX-Kino einen Besuch abstatten. Ein Film über Alaska zeigt traumhafte Landschaften, aber ich muss mehr an das denken, was wir in natura gesehen und erlebt haben. Nach ein wenig hin- und her schaffen Sabine und ich es, irgendwann gegen 14:30 Uhr uns auf den Heimweg nach Waterloo zu machen.

Am Abend erreichen wir die Columbia Lake Townhouses und haben damit einen Trip beendet, der mehr als 2000 km zuvor begann. Die Aussicht auf ein Wochenende in einem einsamen Park ganz für uns allein, unberührte Schneefelder und lange Abende am Lagerfeuer unter dem leuchtenden Sternenhimmel lassen die Mühen und Kosten der Fahrt Nebensache werden und wird uns immer wieder in die kanadische Wildnis locken.......

 

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