Freitag, 5. Januar 2001
Um 13:05 Uhr besteige ich den Airporter, einen Bus der Waterloo mit der weiten Welt verbindet. Mit Rucksack und Schneeschuhen bepackt geht's zum Toronto Airport, wo ich Sabine wieder treffe, die heute aus Westkanada wiederkommt. Wie geplant treffe ich sie am Gate, wo wir beide eine Stunde später von Paul, einem Studienkollegen von Sabine abgeholt werden. Paul studiert seit einigen Jahren an der Uni in Ulm und ist über die Weihnachtszeit bei seiner Familie in Toronto. Hier verbringen wir auch den ersten Abend dieses Wochenendes. Wir werden ausgezeichnet verpflegt und haben einige interessante Gespräche mit Pauls Eltern, seinem Bruder und Freunden der Familie, die ebenfalls zu Besuch sind. Freundlicherweise dürfen wir hier übernachten.
Samstag, 6. Januar 2001
Nach einem kurzen, leckeren Frühstück brechen wir sehr zeitig am Morgen nach Ottawa auf, wo Paul als auch Sabine und ich einige Freunde besuchen wollen. Die Fahrt geht schnell vorüber und so parken wir Pauls Wagen an der Jugendherberge von wo aus wir für einen Spaziergang in die Stadt laufen.
Wir stoßen zunächst auf den Rideau Canal, wo wir erst einmal einen Beavertail, einen mit Zucker und Zimt oder anderen Leckereien bestreuten Teigfladen, probieren.
Derart gestärkt folgen wir dem Kanal zum Ottawa River an dessen Ufer entlang wir den Parlamentshügel passieren.
Wir umrunden das Parlament und werden einen Blick in das Chateau Laurier, welches zur Kette der Luxushotels gehört, die von den großen Eisenbahngesellschaften zu Beginn des 20 Jahrhunderts gebaut wurden.
Ein weiterer Vertreter dieser Kette ist das Chateau Frontenac in Quebec. Auf der Suche nach einer guten Aussicht über die Stadt laufen wir ungehindert durch das gesamte Haus, aber so hoch ist das Hotel auch nicht, als dass wir einen guten Ausblick erhaschen könnten.
Im Anschluss bummeln wir noch ein wenig durch das nahe Einkaufszentrum und das Kneipen- Café- und Restaurantviertel namens Byward Market.
Im Heart & Crown, einem Irish Pub mit warmer Küche zu sehr freundlichen Preisen, wärmen wir uns ein wenig auf bevor wir dann zur Jugendherberge zurücklaufen.
Für 18 Uhr sind wir zu Freunden von Paul - Jeff und Anu - zum Essen eingeladen. Mit einer Reihe weiterer Freunde von Paul speisen wir sehr gute indische Küche. Der Abend gestaltet sich sehr interessant, zum ersten Mal haben Sabine und ich nur Kanadier als Gesprächspartner. Es wird von Reisen und der indischen Heimat erzählt, über überholte Bräuche hergezogen und über ignorante US-Amerikaner abgelästert - kurz gesagt, wir haben eine Menge Spaß. Paul kann bei Jeff und Anu übernachten, wir sind von Erik und Holly eingeladen worden, bei ihnen die Nacht zu verbringen. Die zwei haben ihr Haus spontan angeboten, als sie hörten, dass wir - von einer Übernachtung in der Jugendherberge einmal abgesehen - noch keinen festen Schlafplatz haben. Die zwei sind schon zwei schräge Vögel, aber unbedingt liebenswert und unkompliziert. Als sich die Gesellschaft auflöst werden Sabine und ich einfach mit ins Auto gesteckt und bei Erik und Holly im Wohnzimmer einquartiert. Holly geht es den Abend leider nicht besonders, sie verschwindet gleich ins Bett, wo hingegen Erik es sich nicht nehmen lässt, uns erst einmal das gesamte Haus zu zeigen und uns einige seiner CDs afrikanischer Musik vorzustellen. Als Option für den angebrochenen Abend steht noch eine Beach Party an, für die es sich verkleiden heißt. Erik kramt ein wenig herum und kommt mit einer Riesenauswahl an verrückten Klamotten wieder. Genug, um sich damit für eine Beach Party einzukleiden.
Als wir in dem Yacht Club ankommen, der die Party beherbergt, ist die gerade die letzte Stunde Musik eingeläutet. Schade, dass das Fest schon fast vorbei ist, aber wir nutzen die verbliebene Zeit, um mal richtig abzutanzen. Erik trifft seinen Freund, der uns spontan nachträglich einlädt (was bleibt ihm auch anderes übrig ;-)).
Um 1 Uhr fahren wir zurück und wenig später geht ein wundervoller Tag voller neuer Eindrücke und neuer Bekanntschaften zu Ende.
Sonntag, 7. Januar 2001
Wir frühstücken kurz und können uns dann noch ein Paar Schlittschuhe bei Erik ausleihen. Paul holt uns ab und wenig später sind wir auf dem Weg in den Parc de la Gatineau, der nordwestlich vom Ottawa River, also in der Provinz Quebec liegt.
Der Park erstreckt sich über etliche Quadratkilometer und ist ein Paradies für Wintersportler, besonders für Skilangläufer.
Paul hat seine Skilanglaufausrüstung mitgebracht, Sabine und ich dagegen wollen die Gegend ein wenig mit Schneeschuhen erkunden. Wir verabreden uns für eine der Schutzhütten, wo wir gemeinsam Brotzeit halten wollen. Wir brauchen mit unseren Schneeschuhe natürlich deutlich länger als Paul und obwohl wir das berücksichtigt haben kommt uns Paul auf halben Weg entgegen. Er will noch eine Freundin anrufen, mit der wir im Anschluss auf dem Rideau Canal Schlittschuh laufen wollen. Leider hatte er in der Hütte keinerlei Empfang für sein Handy und so verabreden wir uns für später am Wagen. Nach eineinhalb Stunden erreichen Sabine und ich die Hütte und machen eine kurze Vesperpause.
Der Weg den wir gerade zurückgelegt haben war sehr schön, wenn auch reichlich überlaufen. Seine Nähe zu Ottawa macht den Park eben zu einem perfekten Ausflugsziel für alle, sogar für Stadtmenschen. Außerdem sind die Wege mehr für den Sport ausgelegt als für die Natur. Dennoch - die Bäume sind schön verschneit und der ungeloipte Trail den wir laufen führt uns an zugefrorenen Seen vorbei. Unser Versuch, einen kleinen Anhang zu erklimmen, um auf die andere Seite schauen zu können, scheitert, da wir trotz Schneeschuhen bis zu den Hüften im Schnee versinken und an dem steilen Hang keinen Halt finden. Wie auch immer, wir müssen sehr lachen und zumindest ist uns jetzt so richtig warm ;-))
Als wir wieder am Parkplatz ankommen müssen wir nur kurz auf Paul warten, dann düsen wir zusammen in die Stadt zurück. Wir fahren in die Innenstadt, wo wir am Rideau Canal - unweit der Schleusen am Chateau Laurier - Pam treffen mit der wir die sieben Kilometer des Kanals entlang gleiten, die zum Schlittschuhlaufen freigegeben sind.
Ungefähr alle 1,5 Kilometer steht eine Reihe von Fressbuden auf dem Eis, die die hungrigen Eisläufer versorgen. Auf dem Rückweg zu unserem Ausgangpunkt stoppen wir selbst bei einer von diesen und Paul und Pam genehmigen sich einen Beavertail.
Wir fahren nochmals zu Erik und Holly, geben die Schlittschuhe zurück und verabschieden uns. Unser nächstes Ziel liegt in Hull, wo Brian, der Robs Ex-Schwager wohnt. Rob selbst ist heute von seinen Eltern aus Nova Scotia zurückgekommen und wir haben uns für Ottawa verabredet. Wir laden unsere Sachen bei Brian ab, der leider am Abend schon etwas vorhat und lesen dafür Rob auf.
Es ist schon reichlich spät, aber wir sind ziemlich hungrig und so machen wir uns auf die Suche nach einem netten Restaurant, das uns noch warme Küche bieten kann. Wir betreten schließlich ein Burger-Restaurant, das im typisch amerikanischen Stil der Sechziger aufgezogen ist. Nachdem wir uns pappsatt gefuttert haben wollen wir noch ein Bierchen trinken und enden wieder im Heart & Crown, diesmal ist die Hütte voll und aus irgendeinem Grund ist die Musik so laut, dass man sich kaum unterhalten kann. Wir trinken unser Bier aus und machen uns müde auf den Weg zurück nach Hull.
Montag, 8. Januar 2001
Nach einem echten "Outdoor-Frühstück" (Oatmeal mit Bananen und Äpfeln) brechen wir auf, um noch einige Stunden in Ottawa zu verbringen, bevor wir wieder nach Waterloo zurückmüssen. Unser Ziel ist das Parlament. Wir besteigen den Peace Tower des mittleren Parlamentsblocks und bekommen sogar eine kostenlose Führung durch die gesetzgebenden Institutionen wie das House of Commons und den Senat. Die Bibliothek ist besonders beeindruckend und übrigens der einzige Teil des Mittelblocks, der von dem Brand 1916 verschont blieb.
Im Anschluss bummeln wir noch ein wenig durch die Stadt und gehen dann äthiopisch essen. Das Essen ist ausgezeichnet, zum Teil scharf gewürzt und alles sieht recht ähnlich nach einem brauen Brei aus, der mit den Fingern und pfannkuchenartigen Fladen gegessen wird. In einem Irish Pub treffen wir später noch einen anderen Freund von Paul, dann müssen wir leider schon aufbrechen. Wir setzen Rob bei Brian ab und machen uns auf den Rückweg nach Toronto. Paul bringt Sabine und mich noch zum Busbahnhof, von wo aus wir um 21:00 Uhr mit einem Greyhound nach Waterloo fahren.