Ankunft in Kapstadt
16. Januar 2002
Am Flughafen werde ich
von Geraldine abgeholt und bei hochsommerlichem Wetter düsen wir zwei mit einem
geliehenen
Auto nach Kapstadt. Dort haben wir im Backpacker "Oak Loadge" ein Zimmer
gebucht. Die Herberge ist mit alten Möbel sehr gemütlich eingerichtet und wir
werden zu einem Begrüßungsdrink eingeladen - eine Wohltat bei der Hitze. Den
Rest des Tages bleiben wir auf dem Zimmer - zum einen, weil es sehr viel zu
erzählen gibt, zum anderen hat es sich plötzlich bewölkt und am Nachmittag
bricht ein Gewitter über Kapstadt herein, das bis in den Abend hinein tobt. So
gibt es ein sehr umfangreiches Picknick mit frischem Gemüse, cremigen und
feurigen Dips, süßem Obst und leckeren Säften.
17. Januar 2002
Gerade
um Mitternacht gibt's
dann auch noch einen Kuchen für Geraldine, denn heute ist ihr Geburtstag.
Irgendwann in der Nacht schlafen wir schließlich ein, um am nächsten Morgen bei
bedecktem Himmel aufzuwachen. Wir räumen unseren
Krempel in den Wagen, den wir am Mittag wieder in Stellenbosch abgeben müssen.
Auf dem Weg dorthin holen wir am Flughafen unseren Mietwagen ab, einen VW Polo (Anmerk.
d. Red.: Nein ,kein Seat ;-)).
In Stellenbosch frischen wir unsere Lebensmittelvorräte auf und machen uns dann bald auf den Weg gen Südosten. Unser Ziel für heute ist das De Hoop Nature Reserve und wir wollen der wunderschönen Küstenstrasse nach Hermanus folgen. Die Wolken hängen noch immer tief und ab und zu kommt ein Schauer herunter. Hinter Hermanus geht die Fahrt wieder im Landesinneren weiter. Auf matschigen Schotterpisten wandelt sich die Landschaft schnell von felsiger Küstenregion zu Farmland, vorwiegend Straussenfarmen, die mit braunem Gras bestanden sind.
Wir machen einen Abstecher
zum Cape Agulhas, dem südlichsten Punkt (Süd-) Afrikas und gleichzeitig Grenze
zwischen Atlantischem und Indischem Ozean. Wir spazieren ein wenig am Strand
entlang und genießen das stürmische Wetter.
Schließlich brechen wir wieder auf, es liegen noch einige Kilometer vor uns und
wir sind bisher nicht besonders schnell vorangekommen.
Zahlreiche
Straussenfarmen ziehen an uns vorbei und plötzlich steht eine Gruppe direkt vor
uns auf der Schotterpiste. Irgendwie müssen sie aus der Umzäunung ausgebrochen
sein und nehmen jetzt auch vor uns Reißaus. Aber anstatt dass die Tiere zur
Seite ausweichen laufen sie vor uns immer weiter auf der Piste. Wir wollen die
Vögel nicht scheuchen, aber es lässt sich nicht vermeiden. Nach ca. 1 Kilometer
geben die Strauße triefend nass und erschöpft auf und lassen uns passieren. Spät
kommen wir schließlich am Eingangstor des De Hoop Nature Reserves an, das leider
bereits geschlossen ist.
Wir
sind in der letzten Stunde an keinem "Ort" vorbeigekommen, geschweige denn, dass
da irgendwo eine Unterkunft war. Glücklicherweise bemerken wir das Werbeschild
gleich neben der Zufahrt zum Park, das uns auf das Bushu
Bushcamp verweist. Wir folgen einer Fahrspur entlang der Reservatsumzäunung und
stoßen tatsächlich nach ca. zwei Kilometern auf einige Reet-gedeckte
Hütten mitten im Busch. Wir mieten uns in eine der gemütlichen Häuschen ein und
bereiten eine leckere Brotzeit.
18.
Januar 2002
Als wir am nächsten Morgen wieder aufbrechen hat sich am Wetter leider herzlich wenig geändert. Leider drängt auch die Zeit, da wir am Abend bereits unsere 5-tägige Trekkingtour auf dem Otter Trail beginnen wollen. Nachdem wir das Tor zum Naturreservat passiert haben führt uns die Strasse hinab in eine Ebene, die sich bis zum Meer hinzieht und von diesem durch hohe weiße Dünen abgegrenzt ist. Kaum sind wir in die Ebene eingetaucht, als wir bereits Bonteboks (Buntböcke) am Straßenrand sehen.
Der
unverwechselbare weiße Spiegel und die ebenfalls weiße Blesse haben
der Antilope den Namen
eingebracht. Doch hinter der scheinbar auffälligen Färbung steckt Methode - so
erkennen Fressfeinde wie Löwen oder Geparden nicht, wo bei dem Bontebok vorn
und hintern ist, bzw. in welche
Richtung das Tier im Falle eines Angriffes loslaufen wird. Wir gehen mit unserem
Wagen auf Fotosafari und erkunden so die kleine Schleichwege, die uns nahe an
die Tiere heranbringen, ohne diese zu verschrecken. So sehen wir außerdem noch
einen Ibis und einen Pavian, aber leider keines der Zebras, die Geraldine bei
ihrem letzen Besuch hier bereits beobachten konnte.
Nach nur zwei Stunden
müssen wir dann aufbrechen. Für uns geht es über Schotterpisten weiter nach
Osten. An einer der Straußenfarmen halten wir an und vermutlich in Erwartung
einer Fütterung kommen die Riesenvögel direkt zu uns gelaufen. Wir knipsen ein
paar von ihnen und machen uns dann wieder auf die Socken. Typische Merkmale
einer Farm sind - außer den Kilometer langen Zäunen - Windräder zur
Wasserförderung und die vereinzelt stehenden Eukalyptusbäume, die hierzulande "Gum
Trees" heißen. Wir halten uns Richtung Heidelberg, denn - so lustig es auch
klingen mag - es ist der kürzeste Weg zur Autobahn.
Bevor wir
schließlich auf die Schnellstrasse gen Osten gelangen müssen wir den Fluss
Breede in Malgas überqueren. Die Seilfähre, die wir dazu benutzen, ist
handbetrieben und funktioniert ausgezeichnet. Die Fährmeister sprechen nur
einige Brocken englisch, dafür ist es aber umso interessanter ihnen in Xhosa
zuzuhören. Ihre Worte werden ab und zu von Klick- und Schnalzlauten unterbrochen
und die zwei reden in einer Geschwindigkeit, die mir die Zunge verknoten würde.
Nach der Überfahrt verabschieden wir uns und treten die Fahrt nach Storms River
an, wo wir am Abend noch auf den Otter Trail einchecken wollen....