Otter Trail - Tsitsikamma National Park

Allgemeines: Der 41 km lange Otter Trail zieht sich entlang der Küste des Tsitsikamma National Parks, der etwa auf halben Weg zwischen Mossel-Bay und Port Elisabeth am Indischen Ozean liegt. In fünf Tagen kann man eine fantastische Landschaft erkunden und eine gute Zeit in der Natur verbringen. Übernachtet wird in Blockhütten, von denen zwei für jeweils sechs Personen pro Nacht zur Verfügung stehen.  Die Etappen liegen zwischen 4,8 km (etwa 2 Stunden Laufzeit) und 13,8 km (etwa 6 Stunden Laufzeit). Kochausrüstung und Verpflegung für fünf Tage müssen mitgebracht werden. Abenteuerlich geht es an einigen Flussüberquerungen zu, für die zum Teil auf die Gezeiten geachtet werden muss (Gezeitentabelle ist bei der Registrierung einsehbar). Wer diesen einmaligen Weg auch einmal laufen möchte, sollte langfristig planen: im Normalfall sind die 12 Plätze pro Tag (rund ums Jahr) für mindestens 1 Jahr im Voraus ausgebucht, man kann allerdings auf Absagen hoffen.   

 

18. Januar 2002

Nachdem wir in Heidelberg wieder auf die N2 gen Osten gefahren sind geht es schneller voran. Gegen 16:30 Uhr erreichen wir Storms River, wo wir uns für den Trail registrieren müssen. Dazu melden wir uns im Büro des Tsitsikamma National Park an und verschwenden danach viel Zeit mit der Suche nach dem Registrierungsbuch, das wiederum in einem anderen Gebäude untergebracht ist. Aber hier bekommen wir auch Informationen über die Gezeiten, was für die Überquerung des Bloukrans am vierten Tag durchaus wichtig ist. In strahlendem Sonnenschein packen wir unsere Ausrüstung und Lebensmittel für fünf Tage. Um 18 Uhr kommen wir schließlich los und  haben noch 1 Stunde bis Sonnenuntergang. In dieser Zeit sollten wir die ersten 4,8 km des Trails auch schaffen, da es durchaus gefährlich sein kann, im Dunklen auf dem Felsstrand herum zu tapern. Bereits diese ersten Kilometer stimmen uns für den Rest der Tour ein: das Branden der Wellen, wundervolle Abendstimmungen und Kraxelei über Felsen.

Als wir gerade zum Sonnenuntergang am Ngubu Camp ankommen sind unsere Mitwanderer bereits mit Essen fertig. Wir schmeißen unseren Krempel in eine der Hütten und freuen uns, dass bereits ein Grillfeuer zu unserer Verfügung steht. Außer uns wandert ein weiterer Deutscher, sonst ausschließlich  Südafrikaner. Beim Altersquerschnitt sind wir zwei die Jüngsten, mit 59 Jahren ist einer der Südafrikaner der Älteste. Heute Abend gibt es bei uns gegrillte Maiskolben, heißen Tee und einen Joghurt als Nachtisch. Noch bevor unser Essen fertig ist bricht die Dunkelheit wie ein schwarzes Tuch über uns herein und ein atemberaubender Sternenhimmel erstrahlt über uns. Wir genießen den Abend noch lange am Lagerfeuer und verkriechen uns erst spät in die Schlafsäcke.

19. Januar 2002

Als wir am nächsten Morgen aufwachen sind unsere Mitstreiter schon beim Frühstücken. Überhaupt scheinen es alle andere eher eilig zu haben und brechen wenig später bereits auf. Uns soll es recht sein, wir haben die Hütte für uns und können in aller Ruhe noch ein wenig weiterdösen. In der warmen Morgensonne, die zur Tür herein fällt, hält uns allerdings auch nichts mehr drinnen. Wir frühstücken gemütlich den noch übrigen Geburtstagskuchen auf der Veranda und packen dann unseren Krempel wieder ein.

 

Gegen 11 Uhr brechen wir schließlich wieder auf. Die heutige - 7,9 Kilometer lange - Tagesstrecke führt uns zwar entlang der Küste, aber das türkisblaue Wasser des Indischen Ozeans sehen wir nur selten durch das Dickicht hindurch. Vielmehr verläuft der Pfad oft im Schatten spendenden Wald, dem Tsitsikamma Forest, der sich hier bis nahezu an die Küste herunter zieht. Schon bald wissen wir, warum nur so kurze Etappen angesetzt sind. Zum einen soll die Wanderung natürlich nicht in einen Gewaltakt ausarten und zum anderen wird man aufgrund des Auf und Ab des Weges genügend beansprucht. Meist liegen die steilen Anstiege in der prallen Sonne, die zum Mittag hin schweißtreibend auf uns herunter strahlt. Ab und zu bekommen wir auf erhaben gelegenen Punkten doch wieder einen Ausblick auf das Meer, das für uns sonst meist nur hörbar ist. Aber wir sind froh, ein wenig im Schatten laufen und hier auch unsere Mittagspause einnehmen zu können. Wir haben für mittags eine Brotzeit eingeplant, heute mit frischem Snoek (Räucherfisch), Käse und Biltong (getrocknetes Fleisch von der Kudu-Antilope, Strauss etc.). Am frühen Abend erreichen wir das Scott Camp, das am kleinen Flüsschen Geelhoutbos liegt. Hier können wir ein erfrischendes Bad nehmen und anschließend noch ein wenig in der Sonne ausspannen. Zum Abendessen gibt es bei uns heute frisches Gemüse mit Frischkäse-Dip, Rühreier und Speck. Die anderen aus unserer Hütte sehen uns etwas neidisch an, aus Gewichtsgründen gibt es bei ihnen nur Tütensuppen. Unter den Wanderern aus der anderen Hütte sind zwei, die bereits zum zweiten Mal den Otter Trail laufen. Sie übertreffen unsere kulinarische Ausstattung sogar noch und haben für jeden Tag vakuumverpacktes Fleisch zum Grillen dabei, keine schlechte Idee. Auch heute wird es schnell dunkel und nach einer Weile Sternenguckerei gehen wir schließlich schlafen.

20. Januar 2002

Als wir aufstehen sind alle anderen bereits wieder unterwegs. So machen wir uns auf der Veranda unserer Hütte breit und genießen unser Frühstück (Kuchen und Müsli) in der Morgensonne. Am späten Vormittag machen auch wir uns auf den Weg. 7,7 km sind heute zu laufen, dazu zwei Flussüberquerungen. Der Weg verläuft heute mehr im offenen Gelände mit Blick aufs Meer, dafür ohne Schatten. Bäche zum auffrischen der Trinkwasservorräte gibt es einige (auf der Karte markiert), allerdings gibt es auch längere Abschnitte ohne diese Möglichkeit. (Man sollte für mind. 2 Liter pro Person geeignete Gefäße dabei haben, am besten eignen sich Wassersäcke mit Trinkschlauch).

An der Mündung des Elandsbos müssen wir zum ersten Mal einen Fluss überqueren. Dieser hier führt nur recht wenig Wasser und nach ein wenig Suchen finden wir eine Stelle kurz vor der Mündung, wo wir einfach über den Fluss springen können. Das ist allerdings nur bei Ebbe so, bei Flut muss man weiter landeinwärts durchs Wasser waten. Wieder auf dem Weg wandern wir in der immer heißer werdenden Sonne weiter, bis wir einen schönen Sandstrand entdecken. Hier halten wir für einen Snack und ein erfrischendes Bad im Ozean - eine Wohltat!

 

Kurz bevor wir die Etappe für heute geschafft haben müssen wir uns noch einen steilen Anstieg hinaufarbeiten, aber der Ausblick auf die Mündung des Lottering Rivers und die dort gelegenen Hütten entschädigt uns für die Anstrengung. Schnell sind wir auf Höhe des Meeresspiegels hinab gestiegen und wandern entlang des Ufers des Lottering etwas landeinwärts. Wie viele Flüsse, die aus dem Tsitsikamma Forest kommen, ist auch dessen Wasser rotbraun gefärbt, was auf die darin gelösten Huminstoffe zurückzuführen ist. Dies stellt also nicht etwa eine Verschmutzung dar. Die meisten Flüsse in dieser Region haben im übrigen Trinkwasserqualität.

(c) Geraldine Thiere

Wir müssen etwa 10 Meter durch das knapp knietiefe Wasser waten, um auf die andere Seite zu gelangen - eher eine Erfrischung als eine Flussüberquerung ;-)) An den Hütten des Oakhurst Camps angekommen genehmigen wir uns erstmal eine Dusche aus dem Wassersack, danach fühlen wir uns wieder gesellschaftsfähig. Die Lage des Camps ist einmalig - das Rauschen der Brecher ist Musik für die Ohren. Als der Abend anbricht wirft die Sonne noch immer ihre goldenen Strahlen auf uns. Die umliegenden Felsen, die hier sehr zerklüftet sind und eigenwillige Formationen aufweisen, reflektieren diese Wärme. Als wir gerade bei der Zubereitung unseres Abendessens sind (Reis mit Gemüse) zieht ein Schule von Delfinen an der Mündung vorbei - entfernt sehen wir sie in den brechenden Wellen herumtoben. Nach dem Essen setzen wir uns auf einen Felsen und genießen den Sonnenuntergang, der von Tag zu Tag eindrucksvoller zu werden scheint.

 

 

21. Januar 2002

Wie an jedem Morgen sind die anderen bereits unterwegs, wenn wir aufstehen. Ein hochsommerlicher Tag steht vor der Tür und wir haben alle Zeit der Welt. Na ja, nicht ganz. Heute müssen wir etwas genauer kalkulieren, da für den Nachmittag die Überquerung des Bloukrans angesagt ist. Um 14:50 Uhr ist Niedrigwasser und diese Gelegenheit sollte ausgenutzt werden. Zudem ist heute die längste Tagesetappe zu bewältigen - 13,8 Kilometer. Dafür verläuft der Pfad heute mit nicht ganz so viel Auf und Ab, in den schattigen Waldabschnitten kann man auch die Hitze gut aushalten.

 

 

Pünktlich um 15 Uhr sind wir dann tatsächlich an der Mündung des Bloukrans. Das Wasser ist schon wieder beim Auflanden, wir müssen uns etwas sputen. Die in der Karte vorgeschlagene kürzeste Route ist bereits unpassierbar für die, die keine wasserdichten Packsäcke mitgebracht haben und auch sonst sich nicht durch brusthohes Wasser wagen wollen. Wir queren den Fluss weiter landeinwärts, und haben nur durch etwa knietiefes Wasser zu waten. Allerdings stehen wir damit auch vor einer Felswand, an der wir wieder landauswärts entlang klettern müssen. Trotz schwerem Rucksack klappt die Kraxelei ganz gut und wenig später haben wir den Fluss hinter uns gelassen.

Von hier ab sind es noch etwa 4 Kilometer bis zum Andre Camp, die wir eher gemütlich zurücklegen. Zwischendurch machen wir an einem schönen Felsstrand ein Suppenpäuschen mit Fernseheinlage: zwei Austernfischer hüpfen vor uns über die Felsen und beäugen uns misstrauisch. Wir frischen unsere Wasservorräte nochmals auf und nehmen dann den Rest der Strecke in Angriff. Während des letzten Kilometers ist ein letzter steiler Anstieg zu erklimmen und als wir auf der nachfolgenden Hochebene in der prallen Sonne laufen müssen sind wir froh um jeden Schluck Wasser. Schließlich verläuft der Pfad steil hinab auf Meereshöhe, wo an einem Sandstrand die Hütten des Andre Camps stehen. Davor liegt ein wunderschöne Bucht, die im Glanz der Nachmittagssonne erstrahlt. Nach einem Bad in den Wogen und einer anschließenden Dusche bereiten wir unser Abendessen zu - Nudeln mit Tomaten-Thunfischsoße. Danach - das Sonne taucht den Strand gerade in ein goldenes Licht - spazieren wir an der Bucht entlang und schießen massenhaft Bilder.

(c) Geraldine Thiere(c) Geraldine Thiere(c) Geraldine Thiere

(c) Geraldine Thiere

22. Januar 2002

Unser letzter Tag auf dem Otter Trail ist angebrochen und es sind nur noch 6,8 km bis nach Nature's Valley. Die letzten Kilometer ziehen sich durch eine Fynbosregion (feinblättrige Hartlaubgewächse) über eine Hochebene. Es ist leicht bewölkt, was eigentlich ganz angenehm ist. Stellenweise stehen zwischen der eher niedrigen Vegetation noch Stümpfe von älteren Büschen, die einem Flächenbrand zum Opfer gefallen sind. Buschfeuer sind ein wichtiger Bestandteil des hiesigen Nährstoffkreislaufes, da sie den ansonsten nährstoffarmen Boden düngen.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Nature's Valley, das an einem kilometerlangen Sandstrand liegt. Am Strand angekommen springen wir erstmal in die türkisgrünen Fluten um uns abzukühlen. Über den heißen Sand laufen wir in den kleinen Ort, der hauptsächlich aus Ferienhäusern besteht. Wir haben im Hiker's Haven Backpacker ein Zimmer gebucht und waschen bei einem heißen Bad die Anstrengungen der letzten Tage ab. Anschließend kaufen wir Obst, Eis und leckere Säfte ein und gehen im einzigen Restaurant sehr lecker essen. Am Abend waschen wir noch kurz unsere Wäsche und legen uns dann erschöpft, aber glücklich ins Bett. Für den nächsten Tag haben wir beim Beisitzer des Backpackers einen Transport zurück zu unserem Auto in Storms River gebucht.

 

 

 

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